ORF als „Fake-News-Schleuder“

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ANALYSE. GD-Kandidat Larcher bringt eine Tendenz zum Ausdruck, einfach zu liefern, was Teile der Bevölkerung und viel mehr noch der Politik gerne hören – auch wenn es falsch, ja gefährlich ist.

In einem Interview, das jüngst hier schon erwähnt worden ist, hat die „Kleine Zeitung“ festgestellt, Sebastian Kurz habe ein „spannendes Experiment konservativer Erneuerung“ geliefert. Begründung: „Er versuchte in der Migrationsfrage die Wünsche der Mehrheitsbevölkerung mit der Politik in Einklang zu bringen.“

Was daran konservativ sein soll, ist ein Rätsel. Es handelt sich um einen populistischen Zugang: Die Mehrheitsbevölkerung findet, sagen wir, es gebe zu viele Migranten. Also sagt die Politik, es gebe zu viele Migranten. Schlimmer: Sie verstärkt es durch Botschaften wie „Zuwanderung ins Sozialsystem“, die dazu beitrage, dass das Budget aus dem Ruder gelaufen sei und man Pensionen nicht mehr voll anpassen könne. Die Folge: Die Mehrheitsbevölkerung fühlt sich erstens bestätigt und wird zweitens sehr wahrscheinlich sogar größer.

Vor allem, wenn Medien mitspielen. Auch hier gibt es einen Zug, dieser Bevölkerung einfach zu entsprechen. Im Sinne einer falschen Ausgewogenheit, die vor allem vom Zeitungsboulevard gepflegt wird und die der Medienmanager Johannes Larcher als Kandidat für die Funktion des ORF-Generaldirektors in einer Fernsehsendung gerade stellvertretend zum Ausdruck gebracht hat.

Zu Themen wie Migration und Klimawandel gebe es verschiedene Meinungen, würden Fakten unterschiedlich interpretiert werden, so Larcher: „Right or wrong.“ Es sei sehr wichtig für den Öffentlich-Rechtlichen, dass er dem breiten Spektrum gerecht werde und Standpunkte und Meinungen darstellte – „seien sie falsch, seien sie richtig“. Man müsse sich öffnen und breiter werden, um Glaubwürdigkeit zu bewahren und das Vertrauen von Menschen zurückzugewinnen, die sich unter anderem in irgendwelche „Bubbles“ in sozialen Medien verabschiedet hätten.

Ein hochgefährlicher Zugang ist das. Es geht nicht darum, Meinungen als richtig oder falsch einzustufen oder ihre Vielfalt wahrzunehmen. Es geht um die Behauptung, dass man zum Beispiel Klimawandelleugner frei zu Wort kommen lassen müsse. Genauso wie Coronaleugner oder Leute, die finden, Menschenrechte würden nicht für Migranten gelten, die der Mehrheitsbevölkerung ohnehin nur auf der Tasche liegen würden.

Das hat nichts mit Journalismus zu tun. Journalismus hat derartige Standpunkte auf dem Radar. Er hat auch darüber zu berichten, vor allem aber einzuordnen, sodass am Ende des Tages zum Beispiel klar wird, dass allein die vielen Geflüchteten, die seit 2015 nach Österreich gekommen sind, laut einer „Eco Austria“-Studie summa summarum mittlerweile ähnlich viel ins System einzahlen wie sie herausbekommen; dass das mit den vielen Schmarotzern, die ausschließlich herumlungern würden, eine riesige Lüge ist.

Er hat Probleme und Herausforderungen, die mit Zuwanderung und Integration einhergehen, zu sehen, aber nicht in einem politischen Sinne zu agitieren. Er hat nachvollziehbar darzustellen, wovon Klimaforscher ausgehen und wie belastbar ihre Aussagen sind.

Ein Medium, das alle nur sagen lässt, wonach ihnen ist, ohne deutlich zu machen, wer da mit welchem Hintergrund am Wort ist und allenfalls darauf hinzuweisen, was falsch ist, ist kein journalistisches Medium. Es ist eine „Fake-News-Schleuder“ und ein Brandbeschleuniger. Es macht sich ausschließlich zum Gefährten von bloßen Stimmungsmachern und Populisten.

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