Hoch gehandelt, tief gefallen

-

ANALYSE. Sven Hergovich kann Sozialdemokraten nicht mehr das bieten, was vielen wichtig ist: Aussicht auf eine Regierungsbeteiligung.

Vor drei Jahren betrat Sven Hergovich die politische Bühne. Als AMS-Niederösterreich-Chef hatte er sich durch ein Beschäftigungsprojekt für Langzeitarbeitslose bereits einen Namen gemacht. Jetzt wurde er im Bundesland mit den meisten Wahlberechtigten Vorsitzender der dortigen Sozialdemokratie. Er sei „möglicherweise genau das, was die SPÖ braucht“, schrieben die Salzburger Nachrichten, beeindruckt von einem Auftritt des damals 34-Jährigen: Er wirke „wie ein Doskozil in jung und smart – und ohne sein Mütchen an der Parteivorsitzenden zu kühlen“. Gemeint war Pamela Rendi-Wagner, die wenige Wochen später abgelöst wurde.

Heute steht Hergovich an einem Tiefpunkt seiner politischen Karriere: Nicht nur, weil er zu den Andreas-Babler-Gegnern gehört (hat) und jetzt damit leben muss, dass dieser weiterhin an der Spitze der SPÖ steht. Vor allem in Niederösterreich selbst hat er ein Problem.

Auf diesem Blog wurde jüngst die Geschichte erwähnt, wonach die niederösterreichische SPÖ entdeckt hat, dass ein ÖVP-Gemeinderat aus dem Wienerwald eine Fake-Website erstellt haben soll, die den Eindruck erweckt, Hergovich wolle für sich als Kandidat für den Bundesparteivorsitz werben. Logisch, dass der Verdacht im Raum stand, dass die ÖVP dahintersteckt. Zumal SPÖ-Landesgeschäftsführer Wolfgang Zwander extra eine Pressekonferenz dazu abhielt und berichtete, der Gemeinderat habe den Auftrag für die Seite eigenen Angaben zufolge von dritter Seite erhalten.

Jetzt wird die SPÖ zwar eine Klage gegen den Mann einbringen, Zwander „rudert“ im Übrigen aber „zurück“, wie der ORF berichtet: Er glaube definitiv nicht, dass ÖVP-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner damit etwas zu tun habe, so Zwander. Zauner hatte nach den Vorwürfen am 25. Februar noch mit Klage gedroht, sollte die SPÖ weiterhin behaupten, die Landes-ÖVP stecke dahinter.“

Bei der Volkspartei wird man sich über diese Entwicklung freuen: Tatsächlich ist sie es, die sich nach rechts orientiert und daher bemüht ist, alle Brücken zur SPÖ niederzureißen. Tatsächlich ist das ihrer Obfrau, Landeshauptfrau Johannes Mikl-Leitner wichtig, betont sie hier ständig ein Gegeneinander, um rechten Wählern zu entsprechen. Doch jetzt hat sich die SPÖ auch noch selbst vorgeführt. Als wäre sie in eine Falle gegangen.

Für Sven Hergovich ist das alles extrem gefährlich: Mehr denn je ist klar, dass es unter seiner Führung nie zu einer schwarz-roten Koalition kommen kann in Niederösterreich, dass er Sozialdemokraten keine Aussicht auf eine Regierungsbeteiligung bieten kann. Wobei es unterm Strich vollkommen egal ist, wie sehr das an Mikl-Leitner liegt: Zu viele Funktionärinnen und Funktionäre wollen einen Vorsitzenden (oder eine Vorsitzende), der ihnen die erwähnte Aussicht liefern kann; der sich bis zur Selbstverleugnung mit der mächtigen Volkspartei arrangiert – so ernüchternd und ungerecht das für ihn und seinesgleichen sein mag.

dieSubstanz.at ist ausschließlich mit Ihrer Unterstützung möglich. Unterstützen Sie dieSubstanz.at gerade jetzt >

dieSubstanz.at – als Newsletter, regelmäßig, gratis

* erforderliche Angabe


Könnte Sie auch interessieren

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner