Wenn man Mittelmaß zum Chef macht

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ANALYSE. Was eine wesentliche Erklärung für den Zustand des ORF ist, ist auch eine solche für den von ÖVP und SPÖ.

„Der Zustand des ORF, den man heute sieht auf der oberen Ebene, ist ein Zustand, den man erzeugt, wenn man – sorry die harten Worte – Mittelmaß zum Chef macht“, sagte Ex-Generaldirektor Gerhard Zeiler diesen Februar im Gespräch mit Renata Schmidtkunz. Roland Weißmann war damals noch im Amt, er war erst wenige Wochen später mit Vorwürfen konfrontiert und trat zurück. Erst da ist „der Zustand des ORF“ ein größeres Thema geworden, zu dem diese Woche mit der Wahl eines neuen Generaldirektors ein weiteres Kapitel hinzukommt.

Sehr allgemein, aber pointiert nennt Zeiler Eigenschaften, die ein solcher Generaldirektor haben sollte: „Erstens Leadership“, wozu er Authentizität, Leidenschaft und Menschlichkeit zähle. Zweitens müsse er eine Ahnung haben, wohin er das Unternehmen führen wolle und bereit sein, die Maßnahmen, die dafür notwendig sind, auch gegen externe wie interne Widerstände umzusetzen.

Zuletzt sind aus Zeilers Sicht offenbar zwei Mal die Falschen bestellt worden, für die die Devise gegolten habe: „Hauptsache ich bekomme diesen Sessel und Hauptsache ich behalte ihn.“ Dem einen habe die intellektuelle Kapazität gefehlt, um den ORF in die richtige Richtung zu führen, dem anderen sei es egal gewesen.

Namen nennt Zeiler nicht. Zuletzt wurde der ORF von Alexander Wrabetz (2007 bis 2021) und Roland Weißmann geführt (2022 bis 2026) geführt. Wobei: Hauptverantwortung tragen Stiftungsräte, die Generaldirektoren bestellen. Was zu Parteien überleitet, die bemüht sind, über „ihre“ Stiftungsräte Einfluss zu nehmen. Problem: Wenn es diesen auf ihrer Ebene in erster Linie auch „nur“ darum geht, Macht auszuüben, darf man sich über nichts mehr wundern. Weder in Bezug auf den ORF noch in Bezug auf sie selbst.

Roland Weißman ist vor allem durch Türkise ermöglicht worden, die damals unter Führung von Sebastian Kurz standen. Ein Mann, der wenig Wert auf Inhalt und viel auf Stimmung, Inszenierung sowie Kontrolle legte. Der sich selbst in den Mittelpunkt stellte und in seinen Kabinetten daher überwiegend Marionetten um sich scharte.

Davon hat sich die ÖVP bis heute nicht erholt. Es beschleunigte das Nicht-Aufkommen politischer Talente, das Fehlen von Stellvertretern, die das Zeug haben, zu übernehmen und ebenfalls Wahlerfolge zu erzielen. Karl Nehammer war ebenso eine Notlösung als Kurz-Nachfolger wie es Christian Stocker eine solche als Nehammer-Nachfolger ist.

Der SPÖ haben unter anderem acht lange Werner-Faymann-Jahre zugesetzt, von dem – auch schon aus seinen früheren Zeiten als Wiener Wohnbaustadtrat – am ehesten die Erfindung öffentlicher Inserate als Form der Presseförderung nach Gutsherrenart in Erinnerung geblieben ist.

Loslassen konnte er 2016 nicht, er musste von Ländervertretern zum Rücktritt gezwungen werden, die, zumal die Partei personell ausgebrannt war, auf einen Quereinsteiger setzten, der letzten Endes nicht zurechtkam mit dieser Partei: Christian Kern. Es folgten Pamela Rendi-Wagner und Andreas Babler, beide ebenfalls Quereinsteiger in dem Sinne, dass sie zuvor nicht jahrelang in der Bundespolitik tätig gewesen waren.

Nicht, dass das per se schlecht ist: Der Haken ist, dass Ähnliches zum Beispiel auch für den Generalsekretär der ÖVP (Nico Marchetti) oder den Bundesgeschäftsführer der SPÖ (Klaus Seltenheim) gilt. Dass Stocker und Babler hier niemanden haben, der im politischen Alltag durch Erfahrung gestärkte Kompetenz einbringen könnte.

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