Was der Boulevard verbreitet

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ANALYSE. Oder: Warum man sich nicht darüber wundern sollte, dass Freiheitliche so viel Zuspruch erfahren.

Vielleicht könnten sich Freiheitliche unter Führung von Herbert Kickl zurücklehnen und den Boulevard, an den nicht zuletzt für Inserate Steuergelder in Millionenhöhe fließen, einfach machen lassen. Es ist ganz in ihrem Sinne, was dieser so verbreitet.

Als die Spritpreise im Frühjahr durch die Decke gingen, behauptete „Krone“-Chefredakteur Klaus Herrmann – wie hier näher ausgeführt – folgendes: „Durch die gestiegenen Treibstoffpreise sprudelt auch die Mineralölsteuer zur Freude des Finanzministers!“ Das Rufzeichen machte die Sache nicht besser; im Gegenteil, es verstärkte die Peinlichkeit: Die MÖSt. ist nicht preis-, sondern mengenbezogen. Sie beträgt 48,2 Cent pro Liter Benzin und 39,7 Cent pro Liter Diesel – ob der Spritpreis hoch oder niedrig ist, spielt keine Rolle. Abgesehen davon sinkt das Steueraufkommen seit Jahren, weil der Verbrauch insgesamt zurückgeht.

Jetzt hat Herrmann in seiner „Morgenpost“ von der angeblich guten alten Zeit geschwärmt, in die ja auch Kickl zurück möchte. Wörtlich schreibt er: „Es war einmal eine Zeit, da mussten wir noch nicht mit Euro und Cent zahlen, sondern hatten eine eigene Währung mit Schilling und Groschen, und alles war in der Erinnerung wie auch der Realität viel billiger. Der vor bald 25 Jahren eingeführte Euro hat sich rasch zum „Teuro“ entwickelt. Die Hyperinflation der vergangenen Jahre hat das Leben für viele Menschen überhaupt kaum noch leistbar gemacht.“

Der Euro, ein „Teuro“? Zu Schillingzeiten gab es immer wieder höhere Inflationsraten: 1947 beispielsweise mit 97,4 Prozent, 1951 mit 27,8 Prozent und 1974 mit 9,4 Prozent. Zum Vergleich: 2022 kletterte die Rate nach vielen Jahren mit einem sehr niedrigen Niveau auf 8,6 Prozent. Zuletzt, 2025, betrug sie 3,6 Prozent. Damit lag sie wenigstens wieder unter dem Niveau von 1992 beispielsweise (4,1 Prozent).

Abgesehen davon hatten die erwähnten 8,6 Prozent nichts mit dem Euro zu tun. Sondern unter anderem mit hohen Energiepreisen sowie politischen Antworten auf nationaler Ebene. Die Teuerung war nichtsdestotrotz schmerzlich, von einer „Hyperinflation“ kann jedoch keine Rede sein, wie der Blick in die Vergangenheit unterstreicht.

Bei der Gratiszeitung „Heute“ erspart sich der Chefredakteur solche Peinlichkeiten. Er macht stattdessen Interviews, die vieles, aber halt nur keine journalistischen Interviews sind: Leute wie FPÖ-Hardliner Udo Landbauer dürfen einfach „knallhart“ sagen, wie sich ihre Politik auf das Land auswirke (gut) und wie sie die Arbeit der schwarz-rot-pinken Bundesregierung beurteilen (nicht gut). Dazu kommt die Botschaft: „Kein Syrer sollte mehr in Österreich bleiben dürfen.“

Es entspricht einem Muster: Immer wieder veröffentlicht die Gratiszeitung Meldungen, die ausschließlich Mitteilungen von Freiheitlichen sind; dies diese ohne jede Einordnung wiedergeben. Da darf Kickl etwa damit „aufhorchen“ lassen, dass „Remigration“ nichts Verwerfliches, sondern „vor allem für Österreicher“ sei; oder zum x-ten Mal fordern, Kiew „den Geldhahn“ zuzudrehen; oder das Doppelbudget 2027/28 „zerlegen“, wie es ihm gefällt.

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