Die MÖSt und ein Irrtum

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ZAHLEN ZUM TAG. Durch die gestiegenen Treibstoffpreise sprudle auch die Mineralölsteuer, schreibt die „Krone“. In Wirklichkeit wird das Aufkommen eher stärker sinken.

In Australien appelliert Premierminister Anthony Albanese an seine Landsleute, sparsam mit Benzin und Diesel umzugehen und nicht mehr zu tanken als unbedingt nötig, keinesfalls Treibstoff zu horten und für den Weg zur Arbeit vom Auto auf Zug, Bus oder Straßenbahn umzusteigen, schreibt „Krone“-Chefredakteur Klaus Herrmann in seiner Morgenpost. In Österreich hingegen gehe „alles seinen gewohnten Gang“, so Herrmann weiter, um das dann allerdings zu relativieren: „Nein, nicht ganz: Durch die gestiegenen Treibstoffpreise sprudelt auch die Mineralölsteuer zur Freude des Finanzministers!“

Wirklich? Es ist ein Irrtum, der sich hartnäckig hält. In Wirklichkeit ist die MÖSt nicht abhängig vom Preis, womit sie im Aufkommen mit diesem derzeit steigen oder gar sprudeln würde, sondern ausschließlich mengenbezogen. Sie beträgt fix 48,2 Cent pro Liter Benzin und 39,7 Cent pro Liter Diesel.

In Wirklichkeit könnte das Aufkommen durch die stark gestiegenen Preise im Übrigen sogar eher noch stärker sinken als es das ohnehin schon tut. Aus dem einfachen Grund, dass sich dieser zumindest längerfristig dämpfend auf die Nachfrage auswirken könnte.

So oder so gehört die Mineralölsteuer zu den wenigen Steuern, die dem Finanzminister nicht mehr und mehr bringen, sondern immer weniger. Bis 2017 ist die Summe auf schließlich 4,6 Milliarden Euro gestiegen und seither stets niedriger ausgefallen. Besonders im Coronajahr 2020 aufgrund der damaligen Beschränkungen, aber auch in den Folgejahren. Und zwar unter anderem auch aufgrund des Umstiegs von mehr und mehr Menschen zum Beispiel auf Elektrofahrzeuge. 2025 belief sich die Summe nur noch auf 3,8 Milliarden Euro.

Das deckt sich in der Tendenz mit dem Spritverbrauch in Österreich. Allein im Verkehrsbereich belief sich dieser inklusive Tanktourismus Ende der 2010er Jahre auf bis zu 6,1 Millionen Tonnen Diesel und 1,6 Millionen Tonnen Benzin. 2024 handelte es sich um 4,7 bzw. 1,6 Millionen Tonnen, war also zumindest der Dieselverbrauch deutlich niedriger. (Die Angabe in Tonnen stammt von der Statistik Austria bzw. aus den Energiebilanzen, die diese führt.)

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