BERICHT. Stark sinkende Werbeerlöse und – durch Kickl befeuerte – Vertrauenskrise rechts der Mitte.
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) freut sich, dass der Budgetvollzug des Bundes im vergangenen Jahr besser gelaufen ist als erwartet. An der Werbeabgabe lag’s nicht. Nicht nur dass ihr Aufkommen relativ klein ist, anstelle eines erwarteten Zuwachses hat es bei ihr einen regelrechten Einbruch gegeben.
In den ersten elf Monaten 2025, für die endgültige Zahlen vorliegen, brachte die Abgabe gerade einmal 80,9 Millionen Euro – und damit um rund sechs Millionen weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (87,1 Millionen Euro).
Es steht für eine Krise klassischer Medien. Sie sind ökonomisch gewaltig unter Druck: Die Werbegabe beträgt fünf Prozent des Entgelts, das Zeitungen, Magazine sowie Radio und Fernsehen für Werbeschaltungen einnehmen. Ihr Aufkommen ist schon in den vergangenen Jahren nominell eher nicht mehr gestiegen, sondern real sogar stark gesunken
Sprich: Inserate und Spots tragen immer weniger zur Finanzierung von Journalismus in diesen Medien bei. Wahrnehmbar ist das vor allem beim Boulevard, der wegen der Kürzung von Regierungsinseraten eine Kampagne gegen Medienminister Andreas Babler (SPÖ) betreibt, es betrifft jedoch alle.
Auf der anderen Seite steigend ist das Aufkommen der Digital-(Werbe-)steuer, die ebenfalls fünf Prozent beträgt und Digitalmedien, also unter anderem auch Internetkonzerne, die keinen Journalismus betreiben, betrifft. 2022 war ihr Aufkommen noch gleich hoch wie das der Werbegabe, 2025 ist es bereits um ein Drittel höher gewesen.
Zum ökonomischen kommt für journalistische Medien ein politischer Druck. Und zwar von rechts. FPÖ-Chef Herbert Kickl befeuert mit Erfolg nicht nur einen Vertrauensverlust in Parteien und Regierende, sondern auch in Medien. Zum Start des FPÖ-Radiosenders „Austria Frist“ erklärte er im Jänner beispielsweise, dort gebe es „echte Nachrichten statt linker Meinungsmache, wie wir sie aus den Systemmedien kennen“.
Das ist gezielte Demokratiebeschädigung, die in Kickl-Zielgruppen wirkt. Bei der jüngsten Eurobarometer-Befragung erklärten etwa nur 55 Prozent des Viertels der Befragten, die sich selbst politisch rechts der Mitte verorten, österreichische Medien würde vertrauenswürdige Informationen bieten. Insgesamt taten das immerhin 78 Prozent bzw. bei all jenen, die sich Links oder in der Mitte sehen, rund 90 Prozent.
Umgekehrt sehen 42 Prozent der „Rechten“ keine vertrauenswürdigen Informationen in österreichischen Medien – gegenüber 20 Prozent der Gesamtbevölkerung bzw. zehn Prozent der Vertreter der „Mitte“ und acht Prozent der „Linken“.

