Dem Boulevard ist fad

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ANALYSE. Nachdem die „Krone“ zuletzt von Babler abgelassen hat, kampagnisiert sie gegen Schellhorn – und macht sich damit zu Kickls nützlicher Idiotin.

Vielleicht stimme Deregulierungsstaatssekretär Josef Schellhorn die zugespitzte Abrechnung von „Krone“-Redakteur Michael Pommer nachdenklich, schreibt der Chefredakteur des Blattes, Klaus Herrmann: Pommer stelle fest, dass Schellhorn bei einem Verdienst von monatlich brutto 17.165 Euro eine Leistungsbilanz aufzuweisen habe, die gerade einmal auf einen Post-it-Zettel passen würde. Denn von seinen mit viel Trara vorgestellten 113 geplanten Deregulierungsmaßnahmen seien gerade einmal 19 umgesetzt, das zweite derartige Paket sei „wegen chronischer Erfolglosigkeit abgesagt“ worden. Ein „Deregulierungs-Politiker, der nichts deregulieren kann, hat sich zu deregulieren“, meine Pommer weiter und komme zum Schluss: „Es wird Zeit, das Neos-Experiment zu beenden.“

Behauptung: Es wäre schlecht für die Zeitung. Sie hat die große Not und braucht Erregung. Spätestens seit Christian Stocker Kanzler ist, herrscht Langeweile in der österreichischen Politik. Stocker ist nicht Sebastian Kurz, der tagein, tagaus Sprüche geklopft und Schlagzeilen geliefert hat, die auch geklickt worden sind.

Auf der anderen Seite herrscht in Teilen der Bevölkerung Unzufriedenheit, die bei Wahlen durch entsprechende FPÖ-Stimmenanteile zum Ausdruck kommt und mit der ein Boulevardblatt wie die „Krone“ umso mehr arbeitet. Botschaft zwischen den Zeilen: An allem Unglück seien Typen wie Vizekanzler Andreas Babler oder eben Staatssekretär Schellhorn mit schuld. Sie würden absahnen, aber nichts liefern. Babler bietet sich als Linker dafür an, weil Linke in erheblichen Teilen Österreichs so ziemlich als das Letzte gelten. Und Schellhorn hat in der Vergangenheit immer wieder Klartext geredet, dem er als Politiker nicht gerecht werden kann.

Wobei: Die „Krone“ ist nicht bereit, genauer hinzuschauen und zu sehen, woran Schellhorn auch scheitert. Nicht nur an sich selbst. Sondern auch daran, dass er nur Staatssekretär im sachfremden Außenministerium ist. Daran, dass er von Ressorts abhängig ist, die von Vertretern anderer Parteien geführt werden, denen egal ist, was er will. Daran, dass in Österreich allen Gebietskörperschaften „Bürokratieabbau“ ein Anliegen ist, solange er sie nicht selbst betrifft. Also macht sie sich zur nützlichen Idiotin von Herbert Kickl und bestärkt die immer zahlreicher werdenden FPÖ-Anhänger in der Überzeugung, dass man Leute wie Schellhorn in die Wüste schicken müsste.

Sie begleitet das durch Voting-Fragen, die sie selbst nicht ernst nehmen kann: „Macht Schellhorn einen guten Job?“, wollte sie jüngst von ihren Userinnen und Usern wissen. 93 Prozent sagten „nein“. Kommentar Herrmann dazu: „Ob so ein verheerendes Ergebnis den oft recht verhaltensauffälligen Herrn Staatssekretär, der in seiner auch schon 15-monatigen Amtszeit vor allem durch seinen Luxus-Dienstautowunsch Aufmerksamkeit erregte, nachdenklich stimmt?“ Was glaubt der Chefredakteur? Es ist exakt das herausgekommen, woran er mit seinen Leuten arbeitet.

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