Ludwig ist Teil des Problems

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ANALYSE. Aus der Wiener SPÖ wäre der ehemalige Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck wohl kaum ausgeschlossen worden.

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat mit dem dortigen Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck eine Art Große Koalition von gestern gepflegt. Er ist mit diesem durch dick und dünn gegangen, egal was dieser geliefert hat. Devise: Wir schaffen an, wie es uns gefällt – und Punkt.

Insofern wäre es vielleicht wirklich so gewesen, dass sie nach der Nationalratswahl 2024 ruck-zuck eine Regierung zusammengebracht hätten. „Wir wären mit den Verhandlungen fertig“, ließ Ruck in einem gemeinsamen Interview mit Ludwig jedenfalls wissen.

Später stärkte Ludwig dem Kammerpräsidenten den Rücken. Dieser war schon vor Monaten in die Kritik geraten, nachdem bekannt geworden war, wie er Familienangehörige mit Posten versorgt hat. Demonstrative, politische Weißwaschung durch Ludwig im „Standard“: „Expertise und Transparenz sind bei Walter Ruck in einer Hand.“ Subbotschaft: „Was habt ihr? Dem Mann ist nichts vorzuwerfen!“

Das darf in der Sache Ruck nicht untergehen: Er hat auch mit Hilfe des Wiener Bürgermeisters schalten und walten können; also etwa auch den ehemaligen ÖVP-Stadtparteiobmann Manfred Juraczka in der Geschäftsführung der Wiener Wirtschaftsagentur unterbringen können – ohne Ludwig wäre das in dieser Form nicht gegangen.

Umgekehrt wäre Ruck wohl kaum aus der Wiener SPÖ ausgeschlossen worden. Anders als die Volkspartei, der er bis vor wenigen Wochen angehört hat, hat Ludwig jedoch nicht einmal im Ansatz signalisiert, dass er ein Problem darin sieht, wie Ruck in einem Weinkeller damit angegeben hat, Posten zu vergeben und sich überdies despektierlich bis feindlich über Frauen geäußert hat – ausgerechnet auch Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ).

Ludwig meinte dazu lediglich, dass er den – insbesondere von „Krone“ und „profil“ ausführlich zitierten – Wortlaut nicht, Ruck aber anders kenne: Als umsichtigen und vertrauensvollen Gesprächspartner.

Damit ist er ganz offensichtlich auch eigenen Parteifreundinnen zu weit gegangen. Laut „Kurier“ haben ihm Präsidiumsmitglieder der Wiener SPÖ-Frauen einen Brief geschrieben. Sie hätten sich demnach eine klare Reaktion auf Rucks Aussagen erwartet. Zu den Unterzeichnerinnen würden Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch und die 3. Gemeinderatsvorsitzende Marina Hanke zählen.

Tatsächlich hat Ludwig hier aus Sicht der SPÖ rufschädigend agiert. Er hat Rucks Frauenbild durchgehen lassen, es war ihm wichtiger, mit dem Kammerpräsidenten weiterhin nach Gutherrenart die Stadt zu regieren. Solange es halt irgendwie geht.

Wie er auch ohne Ruck jahrelang eine Medienpolitik nach Gutsherrenart gepflegt hat und auch teilweise noch pflegt: Die Stadt Wien vergibt Inserate in Millionenhöhe und stärkt damit insbesondere den Boulevard, anstatt dass sie das Geld nimmt und für eine große Journalismusförderung nützt, die auch im Sinne der Demokratie wäre; die Ansprüchen gerecht wird, denen ein Sozialdemokrat gerecht werden sollte.

Heute hat nicht nur Ruck durch sein Tun die FPÖ gestärkt, sondern auch Ludwig durch sein Zusammenwirken mit diesem und noch mehr; durch die Stärkung von Krone, Heute und Österreich eben, die Herbert Kickl und seinesgleichen dienlich sind.

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