ANALYSE. Vorstöße für eine Versicherungsdauer von 45 Jahren sind durchschaubar: Inhaltlich ernst gemeint sind sie nicht.
ÖVP-Sozialsprecher August Wöginger hat schon vor drei Jahren davon gesprochen, FPÖ-Budgetsprecher Arnold Schiefer hat es vor dem Sommer getan und der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle hat es jüngst in einem Ö1-Interview bekräftigt: Akademiker sollen länger arbeiten und später in Pension gehen.
Unterstellung: Es ist nicht ernst gemeint, sondern soll eher nur davon ablenken, dass man nicht bereit ist, über eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters zu reden. Oder dass man einfach nur gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielen möchte.
Mattle geht zurecht davon aus, dass Akademiker eher später erwerbstätig werden. Vor diesem Hintergrund schlägt er eine Mindestversicherungsdauer von 45 Jahren vor. Wesentliches liefert er jedoch ebenso wenig mit wie es Schiefer und Wöginger getan haben: Die Antwort auf die Frage nämlich, wie lange Versicherte nach höchster abgeschlossener Bildung derzeit erwerbstätig sind bzw. ins System einzahlen, wie man so sagt. Anders ausgedrückt: Tun es Akademiker wirklich viel weniger lang als Facharbeiter mit Lehrabschluss?
Um es vorweg zu nehmen: Man weiß es nicht. Oder man teilt es nicht mit. Laut Sozialministerium, Dachverband der Sozialversicherungsträger, Pensionsversicherungsanstalt und auch Statistik Austria gibt es keine entsprechende Auswertung.
Über die abgestimmte Erwerbsstatistik der Statistik Austria lässt sich lediglich erahnen, dass Akademiker nicht nur später ins Berufsleben einsteigen, sondern auch später in Pension gehen. Bei ihnen sind jedenfalls 78 Prozent der 60- bis 64-jährigen Männer noch erwerbstätig. Bei Facharbeitern mit Lehrabschluss und maximal Pflichtschulabsolventen handelt es sich umgekehrt um rund 40 Prozent. Also etwa halb so viele.
Die Vorsitzende der Alterssicherungskommission, WIFO-Ökonomin Christine Mayrhuber, geht davon aus, dass nicht einmal die Hälfte aller Männer beim Pensionsantritt 45 Versicherungsjahre zusammenhaben. Das lässt die Annahme zu, dass sehr viele länger arbeiten müssten, sofern sie gesundheitlich noch dazu in der Lage sind; nicht nur Akademiker.
