Kickls Gegner

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ANALYSE. Der Innsbrucker Bischof hat eine Rede gehalten, die dem FPÖ-Chef wehtun muss. Die Reaktion aus dessen Partei ist jedoch eine Warnung.

Es gibt Begriffe, die man eher mit FPÖ-Chef Herbert Kickl als einem Vertreter der katholischen Kirche in Verbindung bringt. „Systemwechsel“ zum Beispiel. Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hat gerade davon gesprochen, allerdings mit dem Zusatz „in der Art Jesu“. Und zwar im Rahmen einer Predigt, die Wellen schlägt. Es handelte sich um eine Widerrede zu Kickl.

Der zentrale Absatz in diesem Zusammenhang lautete: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“ Welch eine starke Zusage – und ein Auftrag gleich zu Beginn des heutigen Evangeliums! Innerlich nicht wirr werden, hineingerissen in einen Strudel, in dem man sich vor lauter Lügen und Manipulationen nicht mehr auskennt. Leider sind wir alle leicht verführbar. Vorsicht deshalb vor denen, die das Blaue vom Himmel versprechen: „Mit uns wird alles besser, alles gerechter. Mit uns kommt die gute alte Zeit zurück!“ Das sind leere Worte. Und wenn dann jemand noch die Klaviatur von Neid, Hass und Verlustängsten beherrscht – gegen die Sozialbetrüger und „Völkerwanderer“ – dann bitte Vorsicht: Es gibt nicht die einfachen Lösungen! Neid erzeugt Neid, Enthemmung führt zu weiterer Enthemmung und Hass produziert Hass. Wollen wir das? Gefährlich ist das Nicht-Zuhören und Drauflos-Behaupten.

Freiheitlichen tut das weh. Logisch: Kickl lädt seine Politik zunehmend religiös auf. Im vergangenen Nationalratswahlkampf hat er sich mit dem Slogan „Euer Wille geschehe“ als autoritärer „Volkskanzler“ angeboten. Auf einem Parteitag vor einem Jahr erklärte er „Glaube, Hoffnung und Liebe“ zu seinen Grundtugenden. Vor wenigen Wochen ließ er im Parlamentsklub ein Kreuz aufhängen. Begründung: „Der christliche Glaube gehört zu unserer österreichischen Identität. Aus diesem Grund haben wir ein gesegnetes Kreuz für unser Klubsitzungszimmer besorgt, um uns zu diesem Erbe zu bekennen.“

Bei der Predigt, die Glettler auf einem Fest gehalten hatte, war der freiheitliche Nationalratsabgeordnete Christoph Steiner anwesend und tat seinen Unmut kund: Der Geistliche hätte besser Politiker bei den Grünen werden solle, sagt er. Später fügte er hinzu, jeder hohe kirchliche Würdenträger könne seine politische Einstellung haben. „Aber er sollte diese Einstellung nicht von einer Kanzel herunterpredigen.“ Glettler habe 20 Minuten lang die FPÖ abgekanzelt und diskreditiert: „Das war der echte Skandal bei der Messe.“

Austeilen, aber nicht einstecken können? Es ist schlimmer. Der Bischof hat sich zum Gegner der FPÖ gemacht. Nicht, um einfach nur ihr Gegner zu sein, sondern um ihr grundsätzlich zu widersprechen. Also etwas zu tun, was in einer Demokratie selbstverständlich möglich sein muss und im konkreten Fall besonders naheliegend ist: Kickl ist es, der versucht, seine autoritären und menschenverachtenden Vorstellungen dadurch zu verschleiern, dass er – wie US-Präsident Donald Trump – so tut, als sei er in göttlichem Auftrag unterwegs. Da ist es nicht zuletzt auch von kirchlicher Seite angebracht, dagegen zu halten.

Zweitens: Das Ganze steht aber auch für eine Warnung. Kickl maßt sich „die“ Wahrheit an. Umso weniger dulden er und seine Leute Menschen und Hinweise, wie viel Unsinn da dabei ist und welche Gefahren damit verbunden sind; ob es nun um Wissenschaftsfeindlichkeit oder Klimawandelleugnung geht, um Putin-Nähe oder Anti-EU-Politik, um „Festung Österreich“ oder „Remigration“. Da schrecken sie nicht davor zurück, Kampagnen gegen „lästige“ NGOs oder den ORF bzw. Journalismus zu betreiben oder eben einem Bischof den Mund verbieten zu wollen.

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