Krone so, Krone anders

-

BERICHT. Auch im Umgang mit dem ORF ist die größte Zeitung des Landes konsequent widersprüchlich.

Die Antwort auf die Frage, ob die „Kronen Zeitung“ einst für oder gegen den Bau des Semmering-Basistunnels war, ist in gewisser Weise abhängig vom Standort. „Die Presse“ hat einmal an ihre „legendäre Kampagne“ in den 1990er Jahren  erinnert: „Die Ausgaben in Wien und in Niederösterreich schrieben damals scharf gegen das Bauvorhaben an, die regionale Mutation jenseits des Semmerings in der Steiermark berichtete fleißig für den Bau.“

Anlass für die Erinnerung war der Umgang der „Krone“ mit dem Ergebnis der ersten Stichwahl für das Amt des Bundespräsidenten vor bald zehn Jahren. In Vorarlberg und Tirol, wo Alexander Van der Bellen besser abgeschnitten hatte als Norbert Hofer, zeigte sie ein Porträt von ihm und titelte „Der grüne Präsident“. In den übrigen Bundesländern, wo er zum Teil weniger erfolgreich gewesen war, präsentierte sie hingegen ein verfremdetes Porträtfoto von ihm, das ihn halb im Licht und halb im Dunkel zeigte und schrieb „Der halbe Präsident“. Sodass auch FPÖ-Wähler damit leben konnten.

So ist sie. Auch im Umgang mit dem ORF. Chefredakteur Klaus Herrmann schreibt in Folge des Rücktritts von Generaldirektor Roland Weißmann schon einmal von einem „Saustall“. Um zu bekräftigen: „Ja, der ORF ist ein echter Saustall.“

Die „ORF-Krise wird uns Millionen kosten“, lautet die Schlagzeile der Print-Ausgabe dazu, mit dem Zusatz: „Und dafür zahlen wir Rundfunkgebühren!“ Tags zuvor war von einem „Staatsfunk“ die Rede gewesen. Frei nach FPÖ-Chef Herbert Kickl, der gerne darüber hinwegtäuscht, dass niemand so offen und zerstörerisch hineinagitiert wie er über seinen Stiftungsrat Peter Westenthaler. Was auch die „Krone“ zu erwähnen vergisst, die ihm durch ihre Darstellungen in die Hände spielt. Sozusagen mit der Botschaft: Da kann man ja nur für einen Grundfunk sein.

Dabei kann die „Krone“ auch anders. In diesem Fall kaschiert sie Widersprüchlichkeit nicht durch regional angepasste Schlagzeilen, sondern praktiziert sie offen. Wenn’s um Sport geht, ist sie dem ORF demnach nahe und zeigt das auch.

Unter dem Titel „Ziemlich beste Kornkurrenten“ präsentierte sie in ihrer Ausgabe vom 19. Jänner einen doppelseitigen Bericht über einen „Gipfel von ORF und ServusTV“, der bei ihr stattgefunden habe. Es sei um Sportrechte gegangen, den Medienstandort Österreich und Wertschöpfung. Teilnehmer: Roland Weißmann, Serus-TV-Mann Dietmar Otti, zu sehen auf einem freundlichen Bild mit Klaus Herrmann in der Mitte.

Der ORF ist ja auch wirklich bedeutend für die „Krone“. So ist es nicht. Allein für das erste Halbjahr 2025 werden in der Medientransparenzdatenbank Werbeflüsse im Wert von knapp 300.000 Euro von ihm zu ihr ausgewiesen (inkl. Multimedia mit krone.at). Für die zweite Jahreshälfte liegen noch keine Daten vor. 2024 hatte es sich um insgesamt 765.000 Euro gehandelt. Für die Gegenrichtung gibt’s keine Daten.

dieSubstanz.at ist ausschließlich mit Ihrer Unterstützung möglich. Unterstützen Sie dieSubstanz.at gerade jetzt >

dieSubstanz.at – als Newsletter, regelmäßig, gratis

* erforderliche Angabe


Könnte Sie auch interessieren

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner