Blaue Pädagogik

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ANALYSE. FPÖ-Chef Kickl findet, zu den „guten alten Zeiten“ habe die „g’sunde Watschn“ gehört.

Es mutet einigermaßen skurril an. In einer Rede auf einer Kundgebung zum 1. Mai setzte FPÖ-Chef Herbert Kickl seine Bemühungen fort, die in Krisenzeit offenbar vorhandene Sehnsucht nach dem zu bedienen, was er als „die guten alten Zeiten“ bezeichnet. Als man in Österreich in Geborgenheit gelebt und das Gefühl des Aufgehobenseins gehabt habe, wie er behauptete: „Da wollen wir wieder hin“, so Kickl: „Wir müssen die guten alten Zeiten zu den guten neuen Zeiten machen.“

Für Schulen soll dies allerdings bedeuten, dass wieder „g’sunde Watschn“ verteilt werden. Genauer: Ausländische Schülerinnen und Schüler seien einst in der Minderheit, Integration sei eine Bringschuld gewesen: „Die haben sie selbst leisten müssen, und wenn sie nicht gespurt haben, hat der Lehrer, der noch eine Respektperson war, ein bisserl nachgeholfen“, so der FPÖ-Chef, unterlegt mit einer entsprechenden Handbewegung: „Und es hat niemandem geschadet, wenn ich das einmal so sagen darf.“

Typisch Kickl? Mag sein. Es passt zu seinem Remigrationsgerede, das er auch bei dieser Gelegenheit pflegte, aber auch zu freiheitlichen Vorstellungen von Staat, Gesellschaft, Pädagogik und Bildung, die unterschiedliche Strömungen und Entwicklungen rückgängig machen und allenfalls hart durchgreifen würden.

Schom im blauen Programm zur Nationalratswahl 2024 wurde etwa eine „Meldestelle gegen politisierende Lehrer“ gefordert. Begründung: „Immer häufiger missbrauchen Lehrer ihre Tätigkeit für die politische Beeinflussung der Schüler, zumeist in Richtung des linken Mainstreams. Um die gebotene Neutralität im Unterricht zu gewährleisten, soll eine Meldestelle gegen politisierende Lehrer eingerichtet werden, die Verdachtsfälle eingehend untersuchen und notfalls Konsequenzen ziehen soll.“

Denunziantentum wären Tür und Tor geöffnet.

An Volksschulen würden alternative Beurteilungsmodelle beseitigt und Ziffernnoten generell wieder eingeführt werden, wenn Freiheitliche das Sagen hätten. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) könnte seine Reformpläne überhaupt einpacken: „Wir brauchen keine ideologischen Experimente, sondern eine konsequente Leistungsorientierung, Disziplin und eine Fokussierung auf die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen“, so FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl am Wochenende.

Problem: Sozialdemokraten, Grüne und Wiederkehrs Neos würden sich für eine Rückkehr zu Verhältnissen wie in den 1960er Jahren zwar nicht hergeben. Was aber ist mit der ÖVP, die schon in fünf Ländern koaliert mit der FPÖ? Die Zeiten, in denen dort ein Bernd Schilcher zum Beispiel eine Gemeinsame Mittelschule propagierte, die möglichst stark auf die Fähigkeiten und Talente Einzelner eingeht, um diese zu stärken, anstatt Schwächen zu betonen, sind vorbei. Auch in Salzburg, Tirol und Vorarlberg sind entsprechende Reformpapiere längst entsorgt worden.

Und etwas Besseres ist nicht an ihre Stelle getreten. Im Gegenteil: Es ist nichts mehr da bzw. schon gar keine Kritik an freiheitlichen Ideen, geschweige denn Gegenentwürfe zu diesen. Was diese umso ernstzunehmender macht.

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