Verkommen

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BERICHT. Finanzminister Marterbauer geht offen mit seiner Krebserkrankung um. Kommentare in sozialen Medien lassen jedoch in einen gesellschaftlichen Abgrund blicken.

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) hat bekanntgegeben, an Krebs erkrankt zu sein. Es handle sich um ein Lymphom, teilte er in einer Stellungnahme mit, die er an Redaktionen schickte: „Eine Erkrankung, die in den letzten Jahren dank umfangreicher Forschung und des guten österreichischen Gesundheitssystems sehr gute Heilungschancen aufweist.“

Während der Therapie werde er im Amt bleiben, so der 61-Jährige weiter: Die Einheiten würden zusätzliche Termine darstellen. Sie seien so geplant, dass er seiner „Aufgabe und Funktion als Finanzministers unsers Landes voll nachkommen“ könne.

In der Stellungnahme schreibt er außerdem: „Ich möchte Sie bitten, in der Kommunikation durchaus offen, aber fair und respektvoll mit meiner Erkrankung umzugehen. Wie bei vielen Menschen in unserem Land ist sie eine emotionale Belastung für meine Familie, meine Freundinnen und Freunde, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Ein Blick auf Kommentare in sozialen, aber auch anderen Medien liefert jedoch eine Ahnung, dass ein Teil der Gesellschaft jegliches Gespür für einen angemessenen Umgang mit solchen Informationen verloren hat (oder vielleicht auch nie hatte). Eine Roswitha V. lässt auf „Facebook“ etwa wissen, dass sich ihr Mitleid in Grenzen halte: „Zahlt ja e der Steuerzahler“. Andere meinen, ein Rücktritt wäre angesagt, eine Maria S., dass ohnehin „nur Herbert Kickl die Probleme lösen“ könne. Beim „Exxpress“ schreibt ein „User_da497d87“: „Er ist sicher gegen Corona geimpft! Corona MRNA Impfungen können Krebs verursachen!“ Nach fünf Stunden gibt’s 23 Daumen hoch und sieben Daumen runter dafür.

Markus Marterbauer ist keine sehr polarisierende Politikerpersönlichkeit. Im Gegenteil. Zwar hat der Boulevard anfangs gemeint, dass er als linker Ökonom „potenzieller Sprengmeister“ der Koalition sei, dem hat er jedoch entgegengewirkt. Er hat sich zum Regierungsmitglied mit den so ziemlich besten Vertrauenswerten entwickelt.

Selten bringt er politische Mitbewerber gegen sich auf. Dieses „Danke für nichts“, das er in der Budgetrede für die Defizite der vergangenen Jahre Richtung ÖVP und Grüne ausgesprochen hat, zählt ebenso zu den Ausnahmen wie die Aussage, dass bei Landeshauptleutekonferenzen weniger verhandelt als gegessen und getrunken werde. Wobei: Ist das böse?

Marterbauer ist vielmehr einer der Politiker, die für einen respektvoll-korrekten Umgang miteinander stehen, die fachlich kompetent sind, wissen, was sie wollen, dafür werben und akzeptieren, was sie (nicht) durchsetzen können. Siehe die Art und Weise, wie er hinnimmt, dass es in der Koalition keine Mehrheit für eine Erbschaftssteuer gibt.

Insofern lässt es besonders tief blicken, dass ein Teil der Gesellschaft auch bei einer solchen Politikerpersönlichkeit und unter solchen Umständen wie beispielhaft erwähnt reagiert; und dass es Medien gibt, die das einfach durchrauschen lassen.

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