Was Kickl an Kurz hat

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ANALYSE. Für den Freiheitlichen ist der Ex-Chef der ÖVP allenfalls nützlich, um die Volkspartei zu destabilisieren und rechts der Mitte noch mehr Wähler zu gewinnen.

Die Spekulationen über ein Comeback von Sebastian Kurz sind um eine Facette reicher: Dass er Herbert Kickl (FPÖ) vor wenigen Wochen im Parlament aufgesucht hat, gilt nicht nur als Versuch, die Beziehung nach dem Bruch in Folge der Ibiza-Affäre weiter zu normalisieren, sondern auch als Beitrag, eine Grundlage für eine blau-türkise Koalition zu bilden.

Fragt sich halt: Wofür soll Kickl das notwendig haben? Das macht aus seiner Sicht null Sinn. Seit Monaten, ja mittlerweile Jahren läuft fast alles zu seinen Gunsten. Seine Partei wird stärker und stärker und bewegt sich in den Umfragen Richtung 40 Prozent.

Dafür gibt es unter anderem diese Erklärungen: Kickl steht für einen radikalen Umbau des demokratischen Systems hin zu einer autoritären „Volkskanzler“-Republik. Er betreibt das kompromisslos – und stellt alle (!) politischen Mitbewerber gezielt als „Volksverräter“ dar, denen es gerade auch in sämtlichen Krisen seit Corona nur um sich selbst gehe; die also aus ihren Ämtern entfernt werden müssten.

Damit ist Kickl erfolgreich. Warum soll er sich das zum gegenwärtigen Zeitpunkt durchkreuzen? Es wäre ein Widerspruch, sich mit jemandem wie Kurz zusammenzutun, der nicht aus seinen Reihen kommt; der ihm obendrein nur lästig werden würde, weil er selbst immer gerne im Mittelpunkt steht; und durch den er sich unglaubwürdig machen würde, weil er in Coronazeiten Regierungschef war und letzten Endes aufgrund diverser Affären gehen musste, die genau für das stehen, was heute eben zu seinem Erfolg beiträgt: Dass es nicht-freiheitlichen Politikern nur um sich selbst und so gar nicht „das Volk“ gehe.

Kickl braucht Kurz nicht, um Kanzler werden zu können: Die ÖVP bewegt sich ohnehin in diese Richtung. Legt er weiter zu, geben relevante Teile endgültig klein bei. Anfang 2025 ist es schon einmal so weit gewesen. Verliert die Volkspartei noch einmal, während Freiheitliche neuerlich gewinnen, wird es unter Federführung von Johanna Mikl-Leitner wieder dazu kommen.

Dann wird Kickl eine zweite Chance erhalten, eine blau-türkise Koalition zu bilden. Wobei ihm in den Reihen der ÖVP fast jeder oder fast jede lieber sein könnte als Kurz. Je farbloser und leichtgewichtiger, desto besser. Ein „Volkskanzler“ braucht keinen Partner, der etwas will, sondern einen Mehrheitsbeschaffer, der nicht wahrnehmbar ist.

Kickl braucht Kurz zum gegenwärtigen Zeitpunkt einzig, um die ÖVP zu verunsichern und zu destabilisieren sowie um rechts der Mitte noch mehr Wähler zu gewinnen. Dass er Kurz einen Termin gewährte, um den sich Erzählungen wie jene ranken, dass dieser sich mit ihm versöhnen wolle, also ein Bittsteller sei, hat besagte Comeback-Gerüchte befeuert. Diese Gerüchte müssen in der ÖVP einschlagen, steht sie doch hilflos und verloren da und gibt es Sehnsüchte nach den vermeintlich guten Kurz-Zeiten in ihren Reihen. Nebeneffekt: Dadurch wird der amtierende Obmann, Kanzler Christian Stocker, massiv geschwächt.

Rechts der Mitte wiederum hat Kickl sehr viele Wähler, die es zu gewinnen gibt, schon gewonnen. Es gibt aber noch Potenzial. Unter den letzten Türkisen etwa: Für sie wird er mit Sicherheit nicht weniger wählbar, wenn Kurz höchstpersönlich zu ihm pilgert. Im Gegenteil.

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