ÖVP-Bremse FPÖ

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ANALYSE. Wenn eine Partei einen Sebastian-Kurz-Triumph bei der Nationalratswahl begrenzen kann, dann ist das am ehesten die Freiheitliche.

Das mit dem FPÖ-Ergebnis bei dieser Europawahl ist so eine Sache: Die mehr als 17 Prozent wirken im Lichte der „Ibiza-Affäre“ überraschend gut. Vor allem aber tun sie das, weil sie in Relation zur Europawahl 2014 gesehen werden; damals kam die Partei auf 19,7 Prozent. Würde man andere Maßstäbe ansetzen, würde das Ergebnis viel schlechter ausschauen: Die 27,5 Prozent der FPÖ bei der Europawahl 1999 beispielsweise. Oder die 26 Prozent von der Nationalratswahl 2017. Oder die Umfragewerte, die der Partei in den vergangenen Wochen im Hinblick auf die nunmehrige Europawahl ausgewiesen wurden; bis zu 25 Prozent waren das. Sprich: Die Fallhöhe ist größer als sie scheint. Ibiza hat der Partei massiv geschadet.

Andererseits: Mehr als 17 Prozent bleiben ein bemerkenswertes Ergebnis. Und auch wenn man davon ausgeht, dass die Ibiza-Affäre erst so richtig sickern muss bei der Bevölkerung, ist es nicht zwangsläufig so, dass die Freiheitlichen bei der Nationalratswahl im Herbst so dramatisch abstürzen wie 2002; damals brachen sie auf zehn Prozent ein, was der Wolfgang-Schüssel-ÖVP erst die triumphalen 42,3 Prozent ermöglichte.

Womit wir beim Punkt wären: Die größte Wettbewerberin der ÖVP ist und bleibt die FPÖ. Ein begrenzter Absturz der FPÖ schränkt die Steighöhe der ÖVP ein.

Heute steht die FPÖ ungleich besser da als 2002.

Und die Situation von heute ist im Übrigen nur bedingt mit jener von 2002 vergleichbar: Damals haben sich die Freiheitlichen de facto selbst in die Luft gesprengt, sodass vorübergehend nicht mehr viel da war von ihnen. Ja, die Führung ging an Mathias Reichhold, der schon nach 40 Tagen an Herbert Haupt übergeben musste, der wiederum seinerseits nicht als Krisenmanager taugte.

2019 ist das anders: Die FPÖ ist von Herbert Kickl und Norbert Hofer übernommen worden. Zwei Männer, die in der Gesamtbevölkerung viele Gegner, aber auch sehr viele überzeugte Anhänger haben; die im Übrigen für ein unmissverständliches Programm (gegen Migrationen und Flüchtlinge) stehen; und von denen zumindest schon Hofer gezeigt hat, was er kann (mit seinem Abschneiden bei den Bundespräsidentenwahlen 2016).

 

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