FPÖ: Burschenschafter sind geblieben

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ANALYSE. Was eine allfällige Fortsetzung von Türkis-Blau nicht einfacher macht: Mehr als ein Drittel der Nationalratsabgeordneten sind wieder Burschenschafter. Widerlich? Ansichtssache.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz spielt bei der Regierungsbildung auf Zeit. Begründung: Die Lage bei manchen Parteien sei derzeit unübersichtlich, wie er laut ORF.AT vor Beginn einer Sondierungsrunde mit den Neos erklärt hat. Die Neos kann er damit wohl kaum gemeint haben. Die Grünen eher auch nicht: So geordnet wie heute sind sie überhaupt noch nie aufgetreten. Schon eher meint Kurz wohl die Sozialdemokraten und die Freiheitlichen. Doch ob sich das so schnell ändern wird bei den beiden? Bei den Sozialdemokraten ist das aus heutiger Sicht ausgeschlossen; mit sich selbst beschäftigen können sie sich in aller Deutlichkeit erst nach den Steiermark- und Burgenland-Wahlen, also erst nach dem 26. Jänner des Jahres 2020.

Bleiben die Freiheitlichen: Norbert Hofer tut, was er kann. Das Problem mit den Straches versucht er gerade zu lösen. Philippa ist bereits ausgeschlossen, Heinz-Christian könnte folgen. Oder auch nicht: Im Grunde genommen hat er ohnehin keine relevante Öffentlichkeit und auch keine sonstigen Mittel mehr, sich Gehör zu verschaffen, wenn man von den Möglichkeiten absieht, die ihm eine Zeitung gibt, die so heißt wie unsere Heimat. Da würde man ihm eher nur einen Gefallen tun, ihm eine Art Opferrolle zu schenken.

Doch sind die Freiheitlichen dann so aufgestellt, dass sie potenziell wieder für eine Fortsetzung der bisherigen Koalition in Frage kommen? Klar: Das ist Ansichtssache. Was Sebastian Kurz in der Vergangenheit aber zu widerlich fand, damit ist weiterhin zu rechnen.

Konkretes Beispiel: Nationalratsabgeordnete, die Burschenschaften angehören, die teilweise sehr, sehr deutschnational sind. Sie sind nach Straches Abgang nicht Geschichte. Ja, die Verhältnisse haben sich kaum verändert. In der vergangenen Legislaturperiode handelte es sich zuletzt um 19 der insgesamt 51 FPÖ-Mandatare (siehe „Der Standard“ dazu). Heute sind es laut Zuordnung des Online-Portals „Meine Abgeordneten“ zwölf von 30.

Passend dazu waren schon Titel und Cover des Buches, das der Journalist und Autor Hans-Henning Scharsach vor zwei Jahren herausgegeben hat: „Stille Machtergreifung – Hofer, Strache und die Burschenschaften“, heißt es, zu sehen sind darauf denn auch der gegenwärtige FPÖ-Chef Norbert Hofer und sein nunmehriger Vorgänger Heinz-Christian Strache. Hofer selbst gehört der „pennal-conservativen Burschenschaft Marko-Germania Pinkafeld“ an.

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Okay, es gibt extremere Burschenschaften. Die „Olympia“ zum Beispiel. Sie wird vom „Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands“ (DÖW) als rechtsextrem eingestuft. Prominentestes Mitglied: der ehemalige 3. Nationalratspräsident Martin Graf, der soeben zu einem Comeback im Hohen Haus gekommen ist. Oder die Burschenschaft „Teutonia“, die laut „Standard“ Ostmark schreibt, wenn sie Österreich meint. Ihr gehört der Abgeordnete Reinhard Bösch an, der der Zeitung zufolge meint, dass Ostmark nur ein historischer Begriff sei. Andererseits: Auf der Website der „Teutonia“, die sich selbst ausdrücklich als „Wiener akademische Burschenschaft“ bezeichnet, gibt es unter dem Stichwort „Heimatschutz“ zwei Links, von denen einer bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang und die gemeinsam schon sehr eigentümlich gereiht sind – der erste führt zur deutschen Bundeswehr und der zweite zum österreichischen Bundesheer. Bösch ist übrigens freiheitlicher Wehrsprecher.

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