BP-Wahl: Pröll oder Leitl

ANALYSE. Warum es sich ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner nicht leisten kann, selbst einen Kandidaten aus dem Hut zu zaubern. 

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ANALYSE. Warum es sich ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner nicht leisten kann, selbst einen Kandidaten aus dem Hut zu zaubern.

Soll er das tun, was er seit Jahren möchte? Der niederösterreichische Landeshautmann Erwin Pröll (ÖVP) zögert mit seiner Entscheidung, bei der Bundespräsidenten-Wahl im kommenden Jahr anzutreten. Dabei hängt alles nur von ihm selbst ab. Doch ein Triumph ist ihm nicht sicher (genug). Also muss sich Parteichef Reinhold Mitterlehner Gedanken über eine Alternative machen. Wobei er gut beraten wäre, sich auf den Präsidenten der Wirtschaftskammer, Christoph Leitl, festzulegen.

Für den niederösterreichischen Landeshauptmann geht es darum, seine Karriere zu krönen. Einmal Staatsoberhaupt, wäre ihm das möglich. Die Frage ist aber, wie er dorthin kommt: Die Kandidatur ist nicht das Problem; wenn er will, dann stellt sich ihm niemand mehr so in den Weg, wie das ausgerechnet sein Neffe, Ex-ÖVP-Chef Josef Pröll, vor der letzten Wahl getan hat. Alle sind gewarnt: Für Josef Pröll war das der Anfang vom Ende in der Politik.

Was Erwin Pröll zögern lässt, sind die Umfragewerte: Österreich ist mehr als Niederösterreich, wo er jeden Urnengang locker für sich entscheiden kann.

Was Erwin Pröll zögern lässt, sind die Umfragewerte: Österreich ist mehr als Niederösterreich, wo er jeden Urnengang locker für sich entscheiden kann. Schon im bevölkerungsreichen Wien tut er sich schwer. Ganz zu schweigen vom kleineren, aber sehr bürgerlichen Westen; dort kommt der Weinviertler mit seinem autoritären Führungsstil nicht nur gut an. Ganz im Gegensatz jedenfalls zum möglichen Gegenkandidaten Alexander Van der Bellen, den die Grünen aufstellen dürften; der Wirtschaftsprofessor genießt dort mit seiner zurückhaltenden Art größere Anerkennung.

Für ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner ist die Ungewissheit nicht besonders angenehm: Wenn Pröll absagt, muss er sich etwas einfallen lassen. Und das ist gerade in seinem Fall gar nicht einfach.

Tritt Erwin Pröll an, kann sich Mitterlehner zurücklehnen: Eine Niederlage fällt dann nicht ihm auf den Kopf, sondern allein Pröll. Auch bei einem Alternativ-Kandidaten wäre so etwas gut für Mitterlehner: Zu angeschlagen ist er bereits nach nur etwas mehr als einem Jahr im Amt; eine weitere Wahlniederlage, die ihm angelastet wird, und er ist gefährdet.

Viele Leute gibt es in der ÖVP nicht mehr, die so eigenständig, mächtig und erfolgsverwöhnt sind, dass sie eine Bundespräsidenten-Wahl alleine gewinnen oder allenfalls halt auch verlieren können.

Viele Leute gibt es in der ÖVP nicht mehr, die so eigenständig, mächtig und erfolgsverwöhnt sind, dass sie eine Bundespräsidenten-Wahl alleine gewinnen oder allenfalls halt auch verlieren können, ohne dass irgendjemand auf die Idee kommt, das Ergebnis dem Parteichef zuzuschreiben. Jedenfalls würde man das bei einem Quereinsteiger oder sonst einem Überraschungskandidaten tun, den dieser aus dem Hut zaubert. Oder bei einem Mann wie dem oö. LH Josef Pürhigner, der gerade ein Wahldebakel erlitten hat und denn auch entsprechend schwer angeschlagen ist.

Also wäre Mitterlehner gut beraten, den zweitmächtigsten ÖVP-Vertreter als Ersatzmann für Erwin Pröll zu nominieren, der ebenfalls über entsprechende Ambitionen verfügt: Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Mit ihm würde Mitterlehner noch am wenigsten riskieren. Ein Wahlsieg wäre auch mit ihm zwar nicht gewiss; wichtiger als das ist für Mitterlehner aber längst, dass er selbst auch eine Niederlage überstehen würde. Und das wäre mit Leitl noch am ehesten der Fall: Er will. Und er könnte für das Ergebnis alleine verantwortlich gemacht werden.

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