Schlag nach bei Gusenbauers Ablöse

ANALYSE. Wiens SPÖ-Chef Michel Häupl liefert wieder einmal ein Doppelspiel. Wobei die Erfahrung aus dem Jahr 2008 zeigt, dass das Ende der Ära Faymann besiegelt ist.

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ANALYSE. Wiens SPÖ-Chef Michel Häupl liefert wieder einmal ein Doppelspiel. Wobei die Erfahrung aus dem Jahr 2008 zeigt, dass das Ende der Ära Faymann besiegelt ist.

Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der mächtige Mann der Sozialdemokratie, hat bisher keine Gelegenheit ausgelassen, zu betonen, dass er hinter Bundeskanzler und SPÖ-Chef Werner Faymanns stehe; gleichzeitig betreibt er jedoch dessen Ablöse. Dieses Doppelspiel ist bekannt; und zwar aus dem Jahr 2008, als es um die Ablöse von Alfred Gusenbauer ging.

Werner Faymann werde unterschätzt, sagt Michael Häupl und lässt sich von seinen Genossen ermächtigen, „eine arbeits- und erfolgsfähige Bundespartei sicherzustellen“. Was ein kleiner, aber entscheidender Widerspruch ist: Ersteres würde bedeuten, dass es Faymann kann. Zweiteres heißt, dass Häupl selbst eingreifen muss – sprich, dass Faymann abgemeldet ist und eigentlich schon zurücktreten könnte.

Auch im Frühjahr 2008 stand Michael Häupl mehr oder weniger deutlich hinter dem damaligen Bundeskanzler und Parteivorsitzenden. Als Alfred Gusenbauer von immer mehr Funktionären kritisiert wurde, gab er sich nach außen hin zumindest zurückhaltend. Begründung: Er wolle die „Situation nicht noch schwieriger machen“. Wenig später tat er das dann aber doch und überreichte Gusenbauer die seidene Schnur, indem er ihn öffentlich wissen ließ, dass er bis Ende August Zeit habe, für Klarheit zu sorgen.

Wie nun bei Faymann lief auch das bereits auf einen Sturz hinaus; zumal Häupl signalisierte, wer der wahre Chef ist. Er.

Doch zurück zur Gegenwart: Ob Faymann in der Partei akzeptiert werde, werde man sehen, erklärt Häupl. Das ist eine Ermunterung an die Kritiker des Noch-Kanzlers- und –Vorsitzenden, sich zu deklarieren bzw. zu einer Art Urabstimmung zu schreiten. Und so etwas kann Faymann nicht überleben.

So macht sich Häupl nie zu viele Gegner, die ihm irgendwann gar noch selbst gefährlich werden könnten.

Die Strategie des Wiener Bürgermeisters ist so durchschaubar, wie sie erklärbar ist: In seiner Landesorganisation hat er eine eigentümliche Strategie entwickelt, für Entscheidungen zu sorgen. Weil die Organisation aus zwei großen Lagern besteht (den Vertretern der Flächenbezirke, die etwa für eine Öffnung hin zu den Freiheitlichen stehen und den Innenstadt-Genossen, die das kategorisch ablehnen), lässt er Kontrahenten so lange gegeneinander antreten, bis sich abzeichnet, wer sich durchsetzen wird. Viel mehr, als den einen oder anderen bestärken oder schwächen tut Häupl nach außen hin vorerst nicht; er wartet ab und lässt den Dingen ihren Gang, bis sein „Machtwort“ im Grunde genommen nur noch eine Bestätigung der Verhältnisse ist, die sich aus diesem Prozess heraus ergeben haben. So macht er sich nie zu viele Gegner, die ihm irgendwann gar noch selbst gefährlich werden könnten.

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