Inserate: Journalismus kein Kriterium

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ZAHLEN ZUM TAG. Pro Leser:in macht die Stadt Wien keinen Unterschied zwischen Qualitäts- und Boulevardmedien. Die „Fortschrittskoalition“ bricht damit ein Versprechen.

24,19 Millionen Euro gab die Stadt Wien im vergangenen Jahr für Inserate aus. Genauer: Es handelt sich um die Summe, die auf Basis des Medientransparenzgesetzes gemeldet wurde. Am stärksten profitierten Tageszeitungen davon. Auf drei Boulevardtitel, den „Kurier“ sowie zwei Qualitätszeitungen entfiel knapp die Hälfte des Gesamtvolumen. Das ist der Seite medien-transparenz.at zu entnehmen.

An die Gratiszeitung „Heute“ flossen 2,9 Millionen Euro, an die „Krone“ 2,6 und an „Österreich – oe24“ inkl. Sonntagsausgabe 1,9 Millionen („Österreich AM Sonntag“ wird getrennt ausgewiesen). „Der Standard“ erhielt 1,7, der „Kurier“ 1,5 und „Die Presse“ eine Million Euro.

Ermittelt man auf Basis der Media Analyse 2020/21 die Beträge pro Leser:in, kommt man zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Bei „Krone“ und „Standard“ handelt es sich um jeweils 8,34 Euro, beim „Kurier“ um 8,23 und bei „Heute“ um 8,92 Euro. Bei „Österreich“ ist der Wert aufgrund der getrennten Ausweisung der Sonntagsausgabe schwieriger zu bestimmen, er liegt aber eher unter acht Euro. Bei der „Presse“ ist er mit 10,35 Euro am höchsten. Vergleicht man das mit den extremen Unterschieden, die es etwa bei den Inseraten des Finanzministeriums gibt, zeugt dies von Gleichbehandlung.

Allerdings: SPÖ und Neos, die 2020 eigenen Angaben zufolge eine „Zukunftskoalition“ eingegangen sind und die Stadt heute auch politisch führen, haben in ihrem Arbeitsübereinkommen etwas anderes angekündigt. Nämlich einen stärkeren Fokus auf Qualität. Zitat: Bei Medienkooperationen und Inseraten legt die neue Stadtregierung in ihrer Kommunikationsstrategie fest, dass sie bevorzugt mit jenen Medien zusammenarbeiten wird, bei denen journalistische Sorgfalt, Innovation sowie Aus- und Weiterbildung der Journalist_innen einen hohen Stellenwert haben. Hierfür werden klare und transparente Kriterien und Sanktionen definiert.“ Das ist bis heute nicht geschehen – und wird ganz offensichtlich auch nicht praktiziert.

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