BERICHT. Die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft befinde sich auf einem Allzeithoch, heißt es. Das ist nicht falsch, täuscht jedoch über Alarmierendes hinweg.
Die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft befinde sich auf einem Allzeithoch, hat ORF.AT jüngst berichtet. Europaweit werde sie von 74, in Österreich von 62 Prozent als vorteilhaft bezeichnet. Das ist bei einer Eurobarometer-Befragung herausgekommen, die im Frühjahr im Auftrag des Europäischen Parlaments durchgeführt worden ist. Allein hierzulande sind dabei etwas mehr als 1000 Personen befragt worden.
In Verbindung mit weiteren Ergebnissen gibt es eine Erklärung dafür, die schlüssig wirkt: In einer Welt, die immer unsicherer wird, wären viele kleine Nationalstaaten allein verloren, können sie im Rahmen der Europäischen Union zusammen viel eher einen Hort der Stabilität bilden – und das wird eben auch von mehr und mehr Menschen so gesehen.
Schaut man sich die Umfragewerte für Österreich genauer an, stellt man jedoch etwas fest, was das alles relativiert: Aktuell bezeichnen zwar 62 Prozent die EU-Mitgliedschat als vorteilhaft und das sind zwei Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr und sogar sechs mehr als vor zwei Jahren. Es gibt aber eine zunehmende Polarisierung.
Bei dem Viertel der Befragten, die sich politisch selbst links verorten, sehen mit stark steigender Tendenz ganze 85 Prozent einen Vorteil in der Mitgliedschaft. Das sind um 14 Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. Beim Drittel der Befragten, die sich in der Mitte sehen, steigt die Tendenz ebenfalls und handelt es sich derzeit um 73 Prozent. Umgekehrt aber bezeichnen bei dem Viertel der Befragten, die sich rechts verorten, bei stark sinkender Tendenz nur noch 26 Prozent die EU-Mitgliedschaft als vorteilhaft. Das sind um acht Prozentpunkte weniger als vor zwei Jahren.*
Dieses Viertel ist nicht vernachlässigbar. Im Gegenteil, es erhält politisch durch die FPÖ eher sogar viel mehr Gewicht als es seinem Anteil entspricht. Beziehungsweise dürfte es durch Herbert Kickl und Co. sogar gefestigt werden, der, wie jüngst zum Europatag, in der EU ausschließlich „Kriegstreiberei“ im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie einen „Zentralstaat der Eliten“ sieht und eine „Redemokratisierung“ fordert, womit er eine Rückabwicklung der Integration bzw. eine Rückführung von Kompetenzen auf die nationalstaatliche Ebene meint.
*Das verbleibende Zehntel der Befragten verortet sich nicht.
