Tirol: Vorsicht, Umfragen

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ZAHLEN ZUM TAG. Vor der Landtagswahl werden zum Teil absurde Ergebnisse veröffentlicht. Schlimmer: Wirklich nachvollziehbar sind gar keine.

Vor einigen Jahren hat der Verband österreichischer Meinungsforschungsinstitute „Richtlinien“ für Sonntagsfragen herausgegeben. Damit wurden gewisse Mindeststandards festgelegt. Vor Landtagswahlen wird Vergleichbares nicht einmal ignoriert. Dabei wäre es hier zumindest ebenso wichtig.

Umfrageergebnisse, die zuletzt vor dem Urnengang in Tirol veröffentlicht worden sind, weichen zum Teil schier unfassbar weit voneinander ab. Selbst wenn die Erhebungen fast zeitgleich durchgeführt worden sind: Das GMK-Institut war für die Bezirksblätter von 26. bis 31. August (online) „im Feld“ und wies für die ÖVP schließlich 35 bis 39 Prozent aus. „IMAD“ erkundete die Stimmungslage im Auftrag der Kronen Zeitung von 29. August bis 1. September und kam auf 25,3 Prozent. Umgekehrt gab es der Liste Fritz 11,5 Prozent, während ebendiese laut GMK nur bei fünf bis sieben Prozent lag.

Dezimalstellen sind laut der eingangs erwähnten Richtlinien „verboten“. Aber das ist eher nur eine Kleinigkeit: Wenn man diese Werte rundet, wird die Sache nicht besser. Nachvollziehbar sind sie so oder so kaum bis gar nicht. Es ist schon ein Qualität, wenn ein Sample (bei GMK/Bezirksblättern beispielsweise 600) angegeben ist.

Das ist ein demokratisches Problem: Veröffentliche Umfragewerte können sehr viel auslösen – aus guten Werten noch bessere machen, weil die meisten Leute lieber beim Sieger sind; oder einen sogenannten Fallbeil-Effekt in dem Sinne auslösen, dass Verlierer noch mehr verlieren, weil sich kaum jemand gerne einem Looser zuordnet.

Umso wichtiger wären Qualitätskriterien auch vor Landtagswahlen. Zumal in ihrem Fall dazukommt, dass hier außerhalb von Wahlkampfzeiten nur sehr selten Erhebungen durchgeführt werden, es also eher an Routine, Kenntnis besonderer Gegebenheiten und einfach nur Erfahrung mangelt.

Gerade auch in einem Land wie Tirol ist es eine Kunst, die Stimmungslage für mehrere Parteien auf Basis von ein paar hundert Befragten in Prozent auszuweisen. „Repräsentativ“ zu sein ist hier schwierig – wo bei der Landtagswahl 2018 etwa im Bezirk Landeck die ÖVP auf 64 und die Grünen auf fünfeinhalb Prozent kamen, im Bezirk Innsbruck Stadt hingegen die Grünen 19 und die ÖVP 26 Prozent erreichten; oder wo die Volkspartei laut SORA landesweit unter Jüngeren 27 und unter Älteren ganze 68 Prozent erreichte. Und überhaupt: Wenn man von erheblichen Veränderungen ausgehen muss, kann das Ganze erst recht grenzwertig werden.

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