ORF: Alles ist hin

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KOMMENTAR. Der Sender wird auch ohne Gebührenabschaffung zum Staatsfunk. Durch Selbstzensur und vorauseilenden Gehorsam sorgt er schon selbst dafür.

Auch die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ berichtet schon von dem „ungewöhnlichen Schritt“, wie sie das nennt: Der ORF hatte ein Interview mit dem deutschen Satiriker Jan Böhmermann gesendet und die Moderatorin teilte hinterher nicht nur mit, dass man damit nicht übereinstimme: „Der ORF distanziert sich (vielmehr) von den provokanten und politischen Aussagen Böhmermanns.“ Womit er sich als ernstzunehmendes Medium gegenüber der Politik selbst abgemeldet hat. Leider.

Der konkrete Fall erinnert zu sehr an die Vorgangsweise bei den Mascheks vor wenigen Wochen: Die Satiriker hatten Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in einer Folge die Entwicklung vom Neonazi zum Sportminister attestiert – woraufhin das Video davon zunächst vom ORF selbst offline genommen und dann nur noch selbstzensuriert wieder online gestellt wurde.

Auch Böhmermann hat sich gegen die Regierungsspitze gestellt. Im Interview am Rande der Ausstellung „Deutschland Anschluss Österreich“ im Grazer Künstlerhaus hatte er Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Strache attackiert. Er halte es für „nicht normal“, dass Österreich „von einem 32-jährigen Versicherungsvertreter“ geführt werde, sagte er, und er warf Strache „Volksverhetzendes“ auf Facebook vor, wie der „Kurier“ berichtet.

Sowohl bei den Mascheks als auch nun bei Böhmermann hagelte es freiheitliche Proteste. Daran hat nicht einmal die vorauseilende Distanzierung von den Aussagen Böhmermanns etwas geändert. FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky bezeichnete diese prompt als halbherzige Distanzierung. Sprich: Sie hat die Sache nur noch schlimmer gemacht.

Der ORF bestätigt durch Selbstzensur wie vorauseilende Distanzierung genau das, was Regierungsvertreter vermitteln.

Das Problem: Der ORF bestätigt durch Selbstzensur wie vorauseilende Distanzierung genau das, was Regierungsvertreter vermitteln; nämlich, dass inakzeptable Grenzüberschreitungen vorlägen. Die Folge: Nicht einmal mehr eine satirische Auseinandersetzung mit Kurz, Strache und Co. ist möglich. Unterm Strich ist die ORF-Führung damit dabei, den ORF in einen Staatsfunk umzuwandeln. Ja, sie erledigt, was die Freiheitlichen durch eine Abschaffung der Gebühren- bzw. Einführung einer Steuerfinanzierung des Senders gerne erreichen würden.

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Und in Wirklichkeit ist alles noch viel schlimmer, zumal der Kanzler unlängst gezeigt hat, dass er auch korrekte, für ihn jedoch unangenehme Berichterstattung auf Ö3 nicht duldet (die ab sofort automatische Anpassung der Parteienförderung soll demnach nicht als Erhöhung bezeichnet werden dürfen; Anm.): Der ORF lässt sich zum Spielball aller machen. Die Rechten behaupteten bisher, er sei links. Das werden sie wohl weiterhin tun, wenn ihnen danach ist. Von Linken und allen anderen war in der unmittelbaren Vergangenheit nichts Vergleichbares zu hören. Sie aber können nun gut begründet sagen, dass sich der ORF – trotz der vielen Top-Journalisten, die es nach wie vor dort gibt – nach den Rechten ausgerichtet habe.

Fehlt nur noch, dass der Bundeskanzler über all das schmunzelt und bei nächster Gelegenheit betont, wie wichtig ihm ein unabhängiger ORF sei und er selbst mit Satire überhaupt kein Problem habe, auch wenn sie manchmal schmerzlich sei. Immerhin hat er gerade erst gegen die SPÖ Partei für Andreas Gabalier ergriffen und betont, wie wichtig die Freiheit der Kunst sei. Dann ist der ORF auch noch blamiert.

 

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