Entwicklungshilfe für Boulevardmedien

BERICHT. „Austrian Development Agency“ inseriert vor allem in Österreich und Heute.

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BERICHT. „Austrian Development Agency“ inseriert vor allem in Österreich und Heute.

Mit gerade einmal 0,26 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leistet die Republik Österreich im internationalen Vergleich nur bescheidene Entwicklungshilfe. Umso bemerkenswerter, dass die „Austrian Development Agency“, über die ein Gutteil läuft, nicht nur Inserate in heimischen Medien schaltet, sondern dies vorzugsweise auch noch in Boulevardmedien tut.

Auskunftsfreudig gibt sich Außen- und Entwicklungshilfeminister Sebastian Kurz (ÖVP) gegenüber der Grünen-Nationalratsabgeordneten Tanja Windbüchler-Souschill nicht: In einer Anfrage hatte sie sich nach der Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der staatlichen Entwicklungshilfe erkundigt. Kurz verwies jedoch darauf, dass die Mittel von der „Austrian Development Agency“ (ADA) verwaltet würden – und sich das Interpellationsrecht nicht auf die Tätigkeiten der Organe dieser juristischen Person erstreckten. Immerhin gab er Windbüchler-Souschill jedoch einen Tipp: Was Inserate und Medienkooperationen betreffe, unterliege die ADA der Offenlegungspflicht gegenüber der „Rundfunk- und Telekom Regulierungsgesellschaft“; sie veröffentliche die Meldungen in der Medientransparenzdatenbank.

Tatsächlich: Für den Zeitraum eines Jahres bzw. vom 4. Quartal 2014 bis zum 3. Quartal 2015 meldete die ADA „Werbeaufträge und Medienkooperationen“ im Volumen von insgesamt 93.999,16 Euro. Davon profitiert haben insgesamt nur vier Medien: Je eine Meldung entfällt auf den „Kurier“ (8701,00 Euro) und „derStandard.at“ (5737,50 Euro). Der Rest, also der Löwenanteil, ging an zwei Boulevardmedien: Drei Meldungen über summa summarum 47.772,02 Euro betreffen „Österreich“, zwei über insgesamt 31.788,64 Euro „Heute“.

Die Medientransparenzdatenbank enthält im Übrigen auch Förderungen, die die ADA Fachmedien gewährt: Vom 4. Quartal 2014 bis zum 3. Quartal 2015 gingen demnach 460.000 Euro an „Südwind“, 307.500 Euro an „corporAID Magazin“, 145.000 Euro an „Frauensolidarität“ und 35.000 Euro an „JEP – Journal für Entwicklungspolitik“.

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