Beschäftigung verwehrt

ANALYSE. Die Arbeitslosigkeit steigt laut WIFO noch stärker als bisher angenommen. Kein Wunder: Die Bundesregierung trägt dazu bei. 

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ANALYSE. Die Arbeitslosigkeit steigt laut WIFO noch stärker als bisher angenommen. Kein Wunder: Die Bundesregierung trägt dazu bei.

Von Vollbeschäftigung redet längst kein Politiker mehr. Langsam aber sicher nähert sich die Arbeitslosenquote in Österreich schließlich der Zehn-Prozent-Marke an. Laut der aktuellen Prognose des Wirtschaftsforschungsinstitutes dürfte sie heuer im Jahresschnitt bei 9,5 und im kommenden Jahr bereits bei 9,8 Prozent liegen. Etwas mehr also, als die Forscher bisher angenommen hatten.

Schuld an der Entwicklung ist viel: Die weltweite Wirtschaftsflaute trifft auch Österreich. Außerdem steigt das Arbeitskräfteangebot stark an – „bedingt durch die Flüchtlingsmigration sowie den Anstieg des Pensionsantrittsalters und der Frauenbeschäftigungsquote“, wie die WIFO-Experten analysieren.

Die Lösungswörter liegen auf der Hand: Integration und Qualifizierung. Zumindest eines davon kann fast jeder brauchen, ob Österreicher oder eben Flüchtling. Wobei es schnell gehen muss: In Deutschland beträgt die Beschäftigungsquote laut Arbeitsmarktinstitut im Zuzugsjahr gerade einmal acht Prozent; und nach fünf Jahren beläuft sie sich noch immer nur auf knapp 50 Prozent.

Kein Unternehmen wird einen Ausbildungsplatz anbieten, wenn es davon ausgehen muss, dass ihm der junge Mann oder die junge Frau abhanden kommt.

Ähnliche Werte können auch für Österreich angesetzt werden. Asylwerber dürften hierzulande ja nicht einmal arbeiten. Viele fallen daher aus nachvollziehbaren Gründen in eine verhängnisvolle Lethargie. Verschärft wird diese Problem durch lange Verfahrensdauern. Einmal als Flüchtling anerkannt, folgen jedoch weitere Hürden.

SPÖ und ÖVP haben beschlossen, Menschen aus Syrien und anderen Bürgerkriegsländern vorerst nur auf drei Jahre einen Aufenthalt zu gewähren. Auf die Konsequenz davon haben Unternehmensvertreter vergeblich hingewiesen: Kein Unternehmen wird einen Ausbildungsplatz anbieten, wenn es davon ausgehen muss, dass der junge Mann oder die junge Frau nicht längerfristig bleiben darf; das wäre, mit anderen Worten ausgedrückt, ein fahrlässiges Investment.

Zur Draufgabe sieht das Sozialministerium bei der geplanten Ausbildungspflicht vor, dass sie nicht für Jugendliche gilt, die sich nur vorübergehend in Österreich aufhalten. Die erwähnten Syrer also beispielsweise. Ihnen wird eine Qualifizierung verwehrt. Womit im Übrigen nicht nur ihnen selbst eine Chance genommen wird, sondern dem ganzen Land: Jeder, der produktiv ist, stärkt den Standort. Doch das ist nur möglich, wenn man die Rahmenbedingungen dafür schafft.

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