Wie Lopatka auch Kurz schadet

ANALYSE. Für den Außenminister wird’s als Spitzenkandidat einer zerstrittenen Partei schwer bis unmöglich, erfolgreich zu sein. 

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ANALYSE. Für den Außenminister wird’s als Spitzenkandidat einer zerstrittenen und führungslosen Partei schwer bis unmöglich, erfolgreich zu sein.

Es ist ja nicht so, dass Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz die Absicht hat, Bundesobmann der Österreichischen Volkspartei zu werden. Gesprächspartner, die sich mit ihm darüber unterhalten haben, berichten von den vielen Vorbehalten, die er diesbezüglich anmeldet. Von wegen Bünde- und Länderstrukturen, die irgendwann einmal noch jeden Chef zu Fall gebracht haben. Plan B schaut denn auch so aus: Sobald Neuwahlen angesagt sind, wird der heute 30-Jährige Spitzenkandidat einer bürgerlichen Bewegung; wobei er im Vordergrund steht und diese Bewegung zwar „ÖVP“ heißen kann, nach außen hin aber keine weitere Rolle spielt.

Die prominentesten Reinholds der Partei sollten das wissen: (Noch-)Bundesobmann Mitterlehner und (Nach-wie-vor-)Klubobmann Lopatka. Umso mehr verwundert es, wie sehr sie sich selbst, der ÖVP und letzten Endes auch Sebastian Kurz schaden. Nachdem sich Lopatka als Norbert-Hofer-Anhänger in der Krone geoutet hatte, kündigte Mitterlehner bekanntlich eine Aussprache mit offenem Ausgang an. Herausgekommen ist, dass Lopatka bei seiner Aussage blieb. Sprich: Mitterlehner ist demontiert, die Partei de facto führungslos.

Erwin Pröll wird kaum Mitterlehner-Nachfolger werden. Soll heißen: Der Partei droht ein Chaos.

Und das verheißt für sie nichts Gutes im Hinblick auf die Bundespräsidenten-Stichwahl: Sollte Hofer gewinnen, drohen die Auseinandersetzungen zwischen dem linken und dem rechten Flügel erst recht auszubrechen. Beide Seiten wissen dann schließlich, dass sie keinen mächtigen Obmann zu fürchten haben. Wenn einem das bekannt vorkommt, dann ist das kein Zufall: Man sieht das auch bei der Wiener SPÖ, wo allen klar ist, dass der Abschied des 67-jährigen Vorsitzenden Michael Häupl näher rückt und Linke und Rechte daher schon ziemlich offen auf diesen Tag X hin aufeinander losgehen.

Doch zurück zur ÖVP: Irgendjemand wird das Ruder in den nächsten Wochen wohl von Reinhold Mitterlehner übernehmen müssen. Vom Gewicht her wird nur ein einziger ÖVP-Funktionär dafür denkbar sein, die Ordnung wiederherzustellen: Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll. Selbst wird er allerdings kaum Mitterlehner-Nachfolger werden. Soll heißen: Es droht ein Chaos, das alles andere als das verheißt, was Kurz braucht; eine gut funktionierende Parteiorganisation nämlich, die sich bedingungslos hinter ihn stellt, um ihm zu einem Wahlerfolg zu verhelfen.

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