Wählerströme: Auf Hunderttausende „vergessen“

ANALYSE. Neuwähler, Eingebürgerte, Zu- und Abwanderer, Jungwähler und Verstorbene sind nicht erfasst

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GERD MILLMANN ANALYSIERT. Neuwähler, Eingebürgerte, Zu- und Abwanderer, Jungwähler und Verstorbene sind nicht erfasst

Josef Broukal hat eins und eins zusammengezählt und zur Wiener Gemeinderatswahl bemerkenswertes herausgefunden: Die größten Wählerströme kommt in den Analysen gar nicht vor.

Seit 2010 sind etwa 120.000 österreichische Staatsbürger nach Wien gezogen. Sie waren bei den Gemeinderatswahlen wahlberechtigt. Im gleichen Zeitraum sind etwa 100.000 Wiener in andere Bundeländer oder ins Ausland gezogen. Sie waren zwar 2010, aber nicht mehr 2015 wahlberechtigt. Das ist der bei weitem größte Wählerstrom der Wien-Wahl. SORA aber behauptet, der Strom ehemaliger SPÖ-Wähler zur FPÖ mit 33.000 Wählern sei der größte Wählerstrom.

Weitere blinde Flecken der Analytiker: Seit der letzten Gemeinderatswahl 2010 sind etwa 85.000 Wahlberechtigte verstorben. Die Wahlbeteiligung lag in Wien 2010 bei 67 Prozent. Das heißt: 55.000 ehemalige Wähler haben sich Richtung Niemehrwähler verabschiedet.

Weitere nicht erfasste Gruppen: Die Neuwähler. 94.000 Jungwähler durften am 11. Oktober erstmals wählen, weil sie inzwischen 16 geworden sind.

Weiters sind 11.400 Menschen seit 2010 in Wien eingebürgert worden. Auch sie durften 2010 noch nicht wählen.

Fazit: Mehr als 200.000 Wahlberechtigte durften 2015 neu in Wien wählen, mehr als 200.000 Wahlberechtigte von 2010 durften oder konnten das nicht mehr. Diese beiden Gruppen unter die Gruppe „Nichtwähler“ zu subsummieren ist stark verfälschend.

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