Novomatic groß gemacht

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ANALYSE. Gerade weil die Politik nicht die Finger von den Casinos lassen will, hat sie sich vom privaten Glücksspielkonzern abhängig gemacht.

Der private Glücksspielkonzern Novomatic ist mit einem Anteil von 17,2 Prozent nur der drittgrößte Eigentümer der teilstaatlichen Casinos Austria AG. Das ist ihrem Geschäftsbericht 2018 zu entnehmen. Novomatic befindet sich damit jedoch in einer komfortablen Position; und zwar vor allem, weil die österreichische Politik nicht die Finger von den Casinos lassen will. Siehe unter anderem den Whatsapp-Nachrichtenverkehr zwischen Ex-Vizekanzler und -FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und dem ehemaligen ÖVP-Finanzminister Hartwig Löger.

Den größten Anteil an den Casinos hält die „Media Beteiligungs-GmbH“, die eher als tschechische Sazka-Gruppe des Milliardärs Karl Komarek bekannt ist. Mit ihren 38,3 Prozent kann sie jedoch nicht viel anfangen. Selbst ihre Vorbehalte gegen die Bestellung von Peter Sidlo zum Finanzvorstand auf Wunsch der FPÖ und unter Beteiligung der ÖVP sind offenbar ignoriert worden.

Und zwar von einer Art Koalition, die die Casinos führt: Der politisch geführte Bund, der über die ÖBIB 33,2 Prozent hält, hat sich zur Klärung solcher Fragen mit der Novomatic zusammengetan, die 17,2 Prozent hält. Zusammen ergibt das eine Mehrheit von 50,4 Prozent. Womit all das, was heute so ans Licht kommt, eigentlich nicht mehr weiter überraschen kann: Die Novomatic ist mit Sicherheit nicht als selbstlose Mehrheitsbeschafferin des Bundes an den Casinos beteiligt. Sie hat ihre Interessen. Und das ist nicht einmal verwerflich, sondern liegt in der Natur der Sache.

Für diese Machtverhältnisse belanglos, aber interessant ist übrigens, dass sich sechs Prozent der Casinos in privaten Streubesitz und immer noch 5,3 Prozent im Eigentum des Bankhauses Schelhammer & Schattera AG befinden. Sie gehört heute zur GRAWE-Gruppe, war einst Bank der Kirche und bezeichnet sich heute selbst als Bank für die Kirche, inkl. Kirchenvertreter in ihrem Ethikbeirat.

Die Naheverhältnisse von Schelhammer & Schattera zu Casinos und Kirche sind nach und nach historisch gewachsen: 1913 wurde das Bankhaus größte Geschäftsstelle der österreichischen Klassenlotterie. 1934 erhielt es die Konzession, Wechselstuben in Spielcasinos zu betreiben. „Hier liegt auch der Ursprung der späteren Beteiligung an den Casinos Austria“, heißt es im Geschäftsbericht 2018.

Dort ist im Übrigen auch die Kirchengeschichte ausgeführt: „Das 1832 gegründete Bankhaus stand seit den 1950er Jahren über die Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften im mehrheitlichen Eigentum von Institutionen der katholischen Kirche. In der Zeit wurde die Geschäftsphilosophie des Hauses nach den Prinzipien der christlichen Wertewelt ausgerichtet. Infolgedessen entwickelte sich in der Persönlichkeit des Bankhauses ein sehr hoher Ethik- und Nachhaltigkeitsstandards, welcher in den letzten Jahren im Rahmen der GRAWE-Bankengruppe noch weiter ausgebaut wurde.“

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1 Comment
  1. Reinhard Dorner 2 Wochen ago

    Es war ein Fehler der Republik sich vom Glücksspielmonopol auf 33% zurückzuziehen und damit die Mehrheit zu verlieren. Glücksspiel ist, wie das älteste Gewerbe der Welt, ähnlich belumundet und unverbietbar. Das Monopol war damals eine gute Idee, weil damit Gewinne und Kontrolle beim Staat lagen. Um die Verlustseite – bankrotte Spielsüchtige – muss sich ja sowieso der Staat kümmern.
    Wenn man Glücksspiel privatisiert (Privatisieren heißt, etwas der Öffentlichkeit entziehen), passiert das, was man in anderen Ländern beobachten kann und was ja vielen sogenannten ehrenwerten Gesellschaften zu wirtschaftlichem Erfolg verhilft. Nebenbei: Glücksspiel ist eine der besten Möglichkeiten der Geldwäsche.

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