Grüne: Ohne Pilz geht’s auch

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ANALYSE. Für die Grünen macht es keinen Sinn mehr, sich mit der Pilz-Liste „Jetzt“ zusammenzutun. Im Gegenteil.

Gesprächsbereit gibt er sich natürlich immer: Grünen-Chef Werner Kogler würde schon mit Liste-Pilz-Vertretern reden, wie er im Ö1-„Journal zu Gast“ am 1. Juni bekräftigte. Letzten Endes blieb er jedoch so unverbindlich, dass sich Peter Pilz und Co. keine Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung machen dürfen. Wozu auch? Sie sind politisch abgeschrieben und ihre Wähler sind zu einem großen Teil ohnehin schon zu den Grünen zurückgekehrt. Und überhaupt.

Eine Ahnung über den Zustand der Pilz-Liste „Jetzt“ hat man bei der EU-Wahl bekommen. Da ist sie de facto als „Europa“ unter der Führung von Johannes Voggenhuber angetreten und auf ein Prozent gekommen. Zum Vergleich: Die KPÖ, der im Wahlkampf ungleich weniger Aufmerksamkeit zuteil geworden war, schaffte 0,8 Prozent. Wohin sich die Pilz-Wähler von der Nationalratswahl 2017 verabschiedet hatten, zeigt die Wählerstromanalyse des Sozialforschungsinstituts SORA: Mit 81.000 unterstützten mehr als ein Drittel (wieder) die Grünen. 38.000 wurden zu NEOS- und 21.000 zu SPÖ-Wählern. Mit 20.000 nicht einmal ein Zehntel der Liste-Pilz-Wähler hat Johannes Voggenhuber die Stimme gegeben.

Im Moment deutet nichts darauf hin, dass „Jetzt“ auch nach den Neuwahlen im Herbst im Nationalrat vertreten sein wird: Umfragen sehen sie deutlich unter der nötigen Vier-Prozent-Schwelle. Damit droht ihr der sogenannte Fallbeileffekt: Weil man bei ihr nicht davon ausgehen kann, dass sie weiterhin eine Rolle spielen wird, wird man sie kaum wählen.

Was die Grünen wiederum davon hätten, sich wieder mit Peter Pilz zusammenzutun, ist schleierhaft: Nicht nur von ihm kehren ohnehin schon Enttäuschte zurück zu ihnen. Bei der Europawahl haben dies mehr noch Leute getan, die sich 2017 von den Grünen zur SPÖ verabschiedet hatten.

Wenn sich Kogler, wie eingangs erwähnt, gesprächsbereit zeigt, dann ist das eher nur ein Signal an die letzten Pilz-Unterstützer. Sie sollen nicht vor den Kopf gestoßen werden. Darüber hinaus kann es aber wohl kaum ernst gemeint sein: Peter Pilz hat sich als Marke durch Art und Weise, wie sein vorübergehender Rückzug vor eineinhalb Jahren zustande gekommen ist, nachhaltig beschädigt; ja, in den Reihen der Grünen wäre er heute eher eine Belastung für diese.

 

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3 Kommentare
  1. Hannes Zbiral 2 Monaten ago

    Die Logik einer Allianz ergibt sich daraus, dass die Grünen für die Nationalratswahl keine Unterstützungserklörungen sammeln müssen, wenn sie die Unterschriften von Jetzt-Abgeordneten erhalten.

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    • Linus 2 Monaten ago

      Wie viele braucht man?

      Reply
  2. Linus 2 Monaten ago

    Wie viele braucht man?

    Reply

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