Der größte Feind der FPÖ? Die FPÖ

ANALYSE. Dass Strache seine Wunschkandidatin für die Bundespräsidenten-Wahl nicht durchgebracht hat, lässt tief blicken.

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ANALYSE. Dass Strache seine Wunschkandidatin für die Bundespräsidenten-Wahl nicht durchgebracht hat, lässt tief blicken.

Vor allem Andreas Khol kann aufatmen: Seine Erfolgsaussichten im Hinblick auf die Bundespräsidentenkür haben sich verbessert. Und zwar deutlich. Der ÖVP-Kandidat kann sich sehr gute Chancen ausrechnen, jedenfalls in die Stichwahl zu kommen. Grund: Die Freiheitlichen gehen nicht mit seiner ehemaligen Parteikollegin Ursula Stenzel ins Rennen. Bundesobmann Heinz-Christian Strache hätte dies zwar gerne gehabt; seine Macht ist ganz offensichtlich aber beschränkter als man bisher vermutet hat – er hat klein beigeben müssen.

Gegenüber einem Shitstorm in den sozialen Medien? Oder gegenüber Burschenschaftern? Wohl eher letzterem. Doch in der Sache ist das ohnehin nebensächlich. Entscheidend ist, dass Strache gemeinsam mit seinen Parteifreunden nicht in der Lage ist, strategisch vernünftig zu handeln. Ihre Welt ist so eng und klein, dass dort nur das Platz hat, was sie als durch und durch Freiheitlich definieren. Kompromisse gehen sie da unter gar keinen Umständen ein. Es gilt das Extrem.

Nicht, dass ihnen das keinen Erfolg bescheren würde. Im Gegenteil, gerade die Flüchtlingsdebatte treibt ihnen damit die Wähler in die Arme. Irgendwann ist dieses Potenzial jedoch erschöpft und dann müssen sie zumindest einen Schuss Pragmatismus zulassen.

Im Hinblick auf die Bundespräsidenten-Wahl wäre dieser Punkt erreicht gewesen: Strache scheint das geahnt zu haben; daher dürfte er auch nicht auf (den nunmehrigen Kandidaten) Norbert Hofer, sondern auf Ursula Stenzel gesetzt haben: Die Frau ist alles andere als urfreiheitlich, hätte insbesondere aber dem einzigen Mitbewerber rechts der Mitte, wo die meisten Stimmen zu holen sind, zusetzen können: Andreas Khol.

Stenzel und Khol haben einen wesentlichen Teil ihrer Politkarriere dem ehemaligen Bundeskanzler und ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel zu verdanken. Beide gingen ein Stück des Weges Seite an Seite, beide ticken „schwarz-blau“. Sich von ihr abzusetzen, um gleich im ersten Wahlgang klar vorne zu liegen, wäre Khol daher schwergefallen. Umgekehrt hätte sie Strache zumindest einen Achtungserfolg bescheren können.

Was nicht bedeutet, dass mit Norbert Hofer gar nichts geht. Immerhin muss ja noch angenommen werden, dass sich ein nennenswerter Teil der Wähler so oder so zu den Freiheitlichen hingezogen fühlt. Ob Hofer diesen Effekt verstärken kann, ist jedoch fraglich.

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