#bpwahl16 Spannend wird’s erst am Sonntagabend

ANALYSE. Jedes Wahlergebnis wird Dynamiken auslösen, die vermeintliche Sieger zu Verlierern und selbst Debakel vergessen machen können. 3 Szenarien dazu.

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ANALYSE. Jedes Wahlergebnis wird Dynamiken auslösen, die vermeintliche Sieger zu Verlierern und selbst Debakel vergessen machen können. 3 Szenarien dazu.

Wie die Wahl ausgeht, weiß niemand. Gut möglich sind drei Szenarien. Also, Szenario 1: Was passiert, wenn Hofer vorne liegt? Für den FPÖ-Kandidaten wäre das kein Vorteil: All jene, die um jeden Preis ein freiheitliches Staatsoberhaupt verhindern wollen, würden umso stärker für den jeweiligen Gegenkandidaten mobilisieren – was wiederum seine Erfolgsaussichten für die Stichwahl reduzieren würde.

Letzten Endes könnte das ihm und seiner Partei jedoch egal sein: Sie wären so oder so im Mittelpunkt gestanden und hätten gezeigt, dass sie groß da sind. Im Übrigen könnte eine solche „Niederlage“ Heinz-Christian Strache und Co. sogar recht sein: Ein Bundespräsident aus den eigenen Reihen würde die Wahrscheinlichkeit, in weiterer Folge auch das Kanzleramt zu erobern, nicht vergrößern; im Gegenteil, zu viel Macht in den Händen einer Partei – das kommt beim Wähler nicht gut an.

Szenario 2: Was passiert, wenn Van der Bellen vorne liegt? Die Grünen (und natürlich auch er selbst) wären dann im Hinblick auf die Stichwahl abhängig vom Verhalten anderer Parteien und das wäre wiederum abhängig vom Gegner bzw. der Gegnerin. Heißt er Hofer, wäre das vorteilhaft für den ehemaligen Grünen-Chef: Sozialdemokraten würden sich auf seine Seite schlagen, ÖVP-Vertreter dagegen wohl eher neutral verhalten – was der Volkspartei im Übrigen zeigen würde, wie nahe sie der Bedeutungslosigkeit in der Bundespolitik bereits ist. Heißt Van der Bellens Gegnerin Griss, wird’s schwer für ihn; dann nämlich würde sich das bürgerliche Lager (stärker als ohnehin schon) auf ihre Seite schlagen, wobei das zur Verhinderung eines grünen Bundespräsidenten wohl auch FPÖ-Sympathisanten tun würden.

Szenario 3: Wenn Griss vorne liegt und gegen Hofer in die Stichwahl kommt, wäre sie als gemäßigtere, überparteiliche Kandidatin im Vorteil. Aber auch Linke würden, ja müssten zur Verhinderung Hofers sie wählen.

Die Grünen könnten mit einem solchen Duell leben, weil sie mit Van der Bellen aller Voraussicht nach so oder so ihr bestes Ergebnis erreichen werden, das sie bei einem bundesweiten Urnengang jemals erzielt haben; das wäre ein Trost. Für die Sozialdemokratie dagegen wäre Griss vs. Hofer ein Super-GAU: Zumal die beiden Kandidaten rechts der Mitte stehen, wäre ihr ihr eigener Niedergang mit aller Härte verdeutlicht.

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