#bpwahl16 Kerns erste Schicksalswahl

ANALYSE. Der Urnengang am 2. Oktober wird auch für den Kanzler und SPÖ-Vorsitzenden entscheidend sein. Daher wird er wohl auch von vornherein mitmischen.

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ANALYSE. Der Urnengang am 2. Oktober wird auch für den Kanzler und SPÖ-Vorsitzenden entscheidend sein. Daher wird er wohl auch von vornherein mitmischen.

Die ehemaligen Großparteien können die Bundespräsidenten-Stichwahl nicht allein Grünen und Freiheitlichen bzw. Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer überlassen. Damit würden sie ihren Bedeutungsverlust auch noch eingestehen, was einer Selbstaufgabe gleichkäme. Ganz besonders der Neue kann sich das nicht leisten: Christian Kern ist nicht als Abwickler Kanzler und SPÖ-Vorsitzender geworden; er hat vielmehr selbst den Anspruch erhoben, zumindest über einen längerfristigen Zeitraum von zehn Jahren hinweg mit seiner Partei durchzustarten.

Wobei sich die Stoßrichtung bereits abgezeichnet hat: Kern schärft die linke Seite der Sozialdemokratie. Und das bedeutet, dass es mit den Freiheitlichen gar nicht geht, aber auch mit einer ÖVP schwierig wird, die sich diesen zuwendet.

Der ehemalige Bahnchef braucht also eine Mitte-Links-Mehrheit; eine rot-grün-pinke beispielsweise. Und diese Mehrheit wird bei der Bundespräsidenten-Stichwahl am 2. Oktober auf die Probe gestellt: Wird sie im Sinne einer Kür von Alexander Van der Bellen zum Staatsoberhaupt wie im vergangenen Mai wieder zusammenkommen?

In Österreich gibt es keine Mehrheit für Mitte-Links, sondern allenfalls eine solche gegen Rechts. 

Zumal das eine Zukunftsfrage, ja eine Weichenstellung im Hinblick auf baldige Nationalratswahlen ist, wird Kern die Entscheidung wohl kaum tatenlos auf sich zukommen lassen. Im Gegenteil: Sollte Anfang August auch noch eine Mitte-Rechts-Mehrheit Richard Grasl – gegen seinen Kandidaten Alexander Wrabetz – zum neuen ORF-Generaldirektor küren, wird er zusätzlich gefordert sein, zu mobilisieren.

Wobei er einen negativen Spin entwickeln muss: In Österreich gibt es keine Mehrheit für Mitte-Links, sondern allenfalls eine solche gegen Rechts. Wie bei der Bundespräsidenten-Stichwahl vom 22. Mai: Van der Bellen setzte sich durch, weil es vielen wichtig war, Hofer zu verhindern. Das kann sich bei Nationalratswahlen wiederholen: Wer einen Kanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) verhindern will, verhilft Kern (bzw. die SPÖ) zu Platz eins. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass er sich entsprechend profiliert und damit auch die nötigen Lagerbildungen forciert. Die Stichwahl-Wiederholung ist eine entscheidende Gelegenheit dafür.

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