Wiener Bezirksfusionen: Weniger Grün, mehr Blau

ANALYSE. Der Bürgermeister hat eine Debatte über eine neue Gliederung der Bundeshauptstadt eröffnet. Auch sich und seiner Partei tut er damit nicht nur Gutes; im Gegenteil. 

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ANALYSE. Der Bürgermeister hat eine Debatte über eine neue Gliederung der Bundeshauptstadt eröffnet. Auch sich und seiner Partei tut er damit nicht nur Gutes; im Gegenteil.

Wien muss sparen. Und da will Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) auch über eine neue Gliederung der Stadt sprechen: „23 Bezirke – ist das in Stein gemeißelt oder nicht?“ wird er von der Tageszeitung Der Standard zitiert. Vorstellbar sei für ihn eine Zusammenlegung von kleineren Innenstadtbezirken oder eine Teilung von großen Flächenbezirken. Das ist bemerkenswert und irgendwie auch ehrenhaft, weil selbstlos – würde es sich aus parteipolitischer Sicht doch um ein glattes Eigentor für die Sozialdemokratie handeln, der Häupl vorsteht.

Man kann sich Bezirke auch wie viele Säulen einer Parteiorganisation vorstellen, in denen Sektionen und Gruppen zusammengefasst sind, die im besten Fall für sie auch die (amtliche) Bezirksführung übernehmen dürfen. Eine Zusammenlegung von kleineren Innenstadtbezirken würde so gesehen zunächst einmal vor allem die Grünen treffen, während sich die Freiheitlichen freuen könnten; „ihre“ großen Flächenbezirke, wie Floridsdorf, die Donnaustadt oder Favoriten, blieben entweder unverändert oder würden quasi noch vervielfältigt werden.

Aufgelöst werden würden Bezirke, in denen es die Genossen eher nach Links zieht.

Als mögliches Muster einer neuen Bezirkseinteilung könnte die Wahlkreisgliederung herangezogen werden, wie sie etwa bei Gemeinderatswahlen gilt: Die Innere Stadt, Wieden, Margareten, und Maiahilf würden gemeinsam mit der Inneren Stadt den Bezirk „Zentrum“ bilden; Neubau, Josefstadt und Alsergrund „Innen-West“. Überall dort sind die Grünen verhältnismäßig stark.

Das Ergebnis einer solchen Zusammenlegung wären zwei neue Bezirke, die einwohnermäßig noch immer kleiner wären als die blauen Hochburgen. Aus diesen (Favoriten, Floridsdorf und Donaustadt) könnte man, wenn man die Bevölkerung als Maßstab heranzieht, sogar sechs Bezirke machen, um etwa auf das Durchschnittsmaß zu kommen.

Letzten Endes bekämen all das aber nicht nur Grüne und Freiheitliche zu spüren; es hätte auch Folgen für die Sozialdemokratie selbst: Aufgelöst werden würden Bezirke, in denen es die Genossen eher nach Links zieht, gestärkt dagegen Bezirke, in denen Funktionäre wie Wohnbaustadtradt Michael Ludwig (Floridsdorf) und Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (Donaustadt) zu Hause sind – und für die Rot-Blau im Unterschied zu Häupl kein Tabu ist.

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