Niessls Irrweg

ANALYSE. Das Burgenland braucht nicht weniger, sondern mehr Öffnung. Zumal es seine Entwicklungsprobleme allein nicht heben kann. 

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ANALYSE. Das Burgenland braucht nicht weniger, sondern mehr Öffnung. Zumal es seine Entwicklungsprobleme allein nicht heben kann.

Zufrieden zieht der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) Bilanz über eine Jahr Rot-Blau. So habe man mit 2,2 Prozent im vergangenen Jahr das größte Wirtschaftswachstum im österreichweiten Vergleich erzielt. Das ist korrekt. Der Vollständigkeit halber muss allerdings auch hinzugefügt werden, worauf das laut WIFO zurückzuführen ist: Nicht nur eine kräftige Baunachfrage, sondern auch einen „erheblichen Wachstumsbeitrag des öffentlichen Sektors“. Sprich: Es wurde mit Steuergeldern erkauft.

Wenn es gut investiert ist, dann ist das okay. Niessl Kurs spricht aber nicht dafür: Das Burgenland braucht nämlich nicht weniger Öffnung, sondern viel mehr. Sonst wird es nie zum bundesweiten Durchschnitt aufschließen, geschweige denn die rote Laterne abgeben können.

In puncto Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung rangiert das Burgenland mit 26.500 Euro im Jahr 2014 im Bundesländervergleich auf dem letzten Platz. Die Kärntner, denen dieser Platz fälschlicherweise immer wieder zugeschrieben wird, kommen auf 32.000 Euro. Ganz vorne liegen die Salzburger mit 45.200 Euro.

Das und der Umstand, dass das Burgenland auch ein bescheidenes Bevölkerungswachstum hat, beschränken die Entwicklungsmöglichkeiten im Land selbst naturgemäß. Anders ausgedrückt: Als Insel würde es nicht weit kommen. Potenziale würde es vor allem im Handel im wachsenden Märkten geben.

Gerade hier hat das Burgenland noch sehr viel Luft nach oben: Seine Exporte machten 2014 laut Statistik Austria rund zwei Milliarden Euro aus; also etwa nur ein Viertel des Bruttoregionalprodukts. Zum Vergleich: In Vorarlberg ist es mit 8,9 Milliarden Euro mehr als die Hälfte der dortigen Wirtschaftsleistung (15,5 Milliarden Euro).

Internationalität ist Niessls Sache jedoch nicht. Mehr Jobs für Burgenländer, lautet sein Ansatz seit einem Jahr. Weit gekommen ist er dabei noch nicht: Die Zahl der beschäftigten Inländer ist von Mai 2015 bis Mai 2016 laut AMS-Statistik von 78.484 auf 78.589 gestiegen. Um 105 oder 0,1 Prozent also.

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