Große Boulevardförderung

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BERICHT. Innenministerium straft Beteuerungen, bei Regierungsinseraten gehe es um die Information aller Bürgerinnen und Bürger Lügen.

Bei Regierungsinseraten zählt das Innenministerium nicht zu den allergrößten und ist auch nicht die einzige Stelle, die auf diesem Weg sehr viel Steuergeld an den Boulevard fließen lässt; das tun etwa auch Stadt Wien und Kanzleramt, wie zum Beispiel hier dargelegt wurde. Das Ressort von Karl Nehammer (ÖVP) bildet jedoch ein Extrem: Laut medien-transparenz.at inserierte es von 1. Jänner 2020 bis 31. März 2021 um 3,8 Millionen Euro. Auf Tageszeitungen entfielen 2,9 Millionen Euro – und davon wiederum 2,4 Millionen bzw. 84 Prozent auf die drei Boulevardblätter „Kronen Zeitung“, „Österreich/oe24“ und „Heute“.

Beteuerungen, bei Regierungsinseraten gehe es um wichtige Informationen für alle Bürgerinnen und Bürger, werden damit Lügen gestraft. Gerade Sicherheit würde 8,9 Millionen Menschen in Österreich tangieren; und zwar vom Boden- bis zum Neusiedlersee.

Neben der „Wiener Zeitung“ gar keine Inserate des Innenministeriums gab es im „Standard“ und in der „Presse“ sowie in den „Vorarlberger Nachrichten“ und in der „Neuen Vorarlberger Tageszeitungen“.

Gemessen an der Reichweite an der Spitze steht Fellners „Österreich/oe24“: Pro Leserin und Leser, wie sie in der Mediaanalyse 2000 ausgewiesen werden, kamen hier 1,44 Euro von Innenministerium. Bei „Heute“ handelte es sich um einen Euro, bei der „Krone“ um 46 Cent.

Die übrigen Zeitungen haben das Nachsehen: Beim „Kurier“ waren es 26, bei der „Tiroler Tageszeitung“ 24, bei der „Kleinen Zeitung“ 20, bei den „Salzburger Nachrichten“ 19 und bei den „OÖ Nachrichten“ zehn Cent. Nicht in der Mediaanalyse ausgewiesen wird die ÖVP-Zeitung „Volksblatt“. Dort inserierte das Innenministerium um 14.130 Euro.

Die Seite medien-transparenz.at bezieht die Daten aus der Medientransparenzdatenbank, wo sie für Laien schwer bis gar nicht erfassbar sind. Für diese Datenbank gemeldet werden müssen Inserate von Stellen, die der Rechnungshofkontrolle unterliegen, ab rund 5000 Euro pro Quartal und Medium.

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