Superreiche, die einen Flieger oder ein Stadion füllen

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BERICHT. 500 Österreicher würden fast 40 Prozent des Gesamtvermögens besitzen, sagt ein Beratungsunternehmen. Die Konzentration wäre damit um ein Vielfaches größer als bisher angenommen.

Wer über ein Gesamtvermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar (86 Millionen Euro) verfügt, wird von der Beratungsfirma Boston Consulting Group zu den Superreichen gezählt. Weltweit handle es sich um 97.000 Personen. Etwa 500 von ihnen hätten ihren Wohnsitz in Österreich, wie einem „Standard“-Bericht dazu zu entnehmen ist. Dort heißt es auch, dass sie, „die allesamt problemlos in einen Airbus A380 passen würden, mit 39 Prozent über beinahe zwei Fünftel des Gesamtvermögens“ hierzulande verfügten.

Kann das sein? Ja, die Konzentration wäre damit aber um ein Vielfaches größer als bisher angenommen. Das Problem ist, dass man nichts Genaues weiß. In Österreich existiert keine umfassende Vermögensbesteuerung und daher auch keine so belastbare Datenbasis wie aufgrund der Lohnsteuer etwa zu Löhnen. Zweitens: Nur wenige besitzen sehr viel. Selbst wenn man bei einer Erhebung tausende Befragungen insgesamt durchführt, ist es ungewiss, ob man einen Betroffenen oder eine Betroffene dabei hat; Repräsentativität wird man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine erreichen.

Statistik Austria führt regemäßig Erhebungen mit tausenden Befragungen zu Vermögen durch. Wie AK-Ökonomen in einer Analyse zu den jüngsten (sogenannten HFCS-)Ergebnissen erklären, können dem reichsten Prozent der Haushalte etwa 17 Prozent des Gesamtvermögens zugeschrieben werden. Das sei auf Bais von Rohdaten feststellbar. In einer Schätzung sei man auf über 40 Prozent gekommen.

Ein Prozent der Haushalte oder der Bevölkerung, das so viel besitzt, würde aber gut 40.000 oder 90.000 entsprechen. Keinesfalls aber 500. Sie würden ein Stadion, keinen Flieger füllen.

Andererseits: Wesentlich erscheint, dass gut die Hälfte der Bevölkerung praktisch nichts hat. Weder eine (Eigentums-)Wohnung noch ein Haus noch mehrere tausend Euro auf einem Konto, geschweige denn eine Unternehmensbeteiligung. Wichtiger: Jeder vierte Haushalt in Österreich hat laut Statistik-Austria-Erhebungen zu sozialen Krisenfolgen nicht einmal 1570 Euro auf der Kante, um unerwartete Ausgaben ohne Kredit oder Ratenzahlungen tätigen zu können. Das sind extrem viele, die buchstäblich von der Hand im Mund leben und von monatlich Lohn- oder Pensionszahlungen abhängig sind; die schon bei einem einzigen Ausfall größere Schwierigkeiten haben, deren Glück letzten Endes oft ist, dass es einen starken Staat gibt.

Zum Thema Vermögen passend: Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat gerade einen Bericht zur jüngsten Befragung für die Europäische Sozialstudie (ESS) veröffentlicht. In Österreich wird die Vermögensverteilung demnach von 40 Prozent der Menschen als viel zu groß und von weiteren 49 Prozent als zu groß bezeichnet. Das sind in Summe 89 Prozent. Umgekehrt ist sie für elf Prozent zu klein oder viel zu klein.

Über 90 Prozent würden Unternehmen mit hohen Gerinnen besteuern, 87 Prozent eine „Vermögenssteuer für die Reichsten zehn Prozent“ einführen. Auf parlamentarischer Ebene gibt es dafür freilich keine Mehrheit. Und zwar bei weitem nicht: Mit jenen von ÖVP, FPÖ und Neos sind dort fast 70 Prozent der Nationalratsabgeordneten dezidiert dagegen.

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