Parallelgesellschaften

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BERICHT. Fast jeder zweite Jugendliche in Wien hat eine ausländische Herkunft. Die restriktive Einbürgerungspolitik trägt dazu bei, dass kaum einer Österreicher wird.

Fast jeder zweite Jugendliche oder junge Erwachsene in Wien hat eine ausländische Herkunft: Es handelt sich um 45,7 Prozent aller 16- bis 24-Jährigen bzw. 98.956 Personen. Das ist dem Bericht „Daten und Fakten zu Migration und Integration 2025 – Fokus auf Jugendliche und junge Erwachsene“ zu entnehmen. In mehreren Bezirken handelt es sich um mehr als die Hälfte: In der Brigittenau mit 56,1, in Rudolfsheim-Fünfhaus mit 54,6 und in Favoriten mit 54,5 Prozent.

Problem: Es finden kaum Einbürgerungen statt. Hauptgrund dafür ist eine restriktive Politik, die dazu beiträgt, dass Österreich zu den europäischen Ländern zählt, in denen die Quote sehr niedrig ist. In Wien ist die ausländische Bevölkerung in den vergangenen 20 Jahren zwar stark gewachsen, die Zahl der Einbürgerungen ist aufgrund von Verschärfungen jedoch eingebrochen: Von 16.354 im Jahr 2004 auf nur noch 3665 im Jahr 2024.

Besonders wenige Einbürgerungen betreffen Jugendliche und junge Erwachsene. Und das, obwohl ein erheblicher Teil hierzulande geboren worden ist. Von den 3665 Einbürgerungen im Jahr 2024 entfielen gerade einmal 395 auf sie. Beziehungsweise auf gerade einmal vier von 1000 Nicht-Österreicherinnen und Nicht-Österreicher ihrer Altersgruppe.

These: Hier wird die Bildung von Parallelgesellschaften gefördert. Die restriktive Einbürgerungspolitik mag damit begründet werden, dass die Staatsbürgerschaft ein hohes Gut sei, das man sich verdienen müsse. Praktisch führt sie jedoch eher dazu, dass sie zu vielen so schwer erreichbar erscheint, dass sie darauf pfeifen.

Eine Folge davon, die bisher eher allein im Fokus stand, ist, dass diese Leute nicht wählen dürfen. Es geht jedoch um mehr: Diese Leute werden sich auch weniger als Teil Österreichs betrachten, und sie unterliegen im Übrigen keinen Pflichten wie der Wehrpflicht, auf die es im Falle des Falles in militärischen wie zivilen Diensten ankommen könnte.

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