ANALYSE. Noch einmal ein Blick auf die Pkw-Zulassungen: Die Regierung könnte sich ermuntert fühlen, klimaschädliche Förderungen zu reduzieren und dadurch noch mehr positive Veränderung zu erwirken.
Es gebe einen „E-Auto-Boom“, berichtete dieSubstanz.at vor einer Woche. Anlass: Laut Statistik Austria sind im März plötzlich viel mehr Elektroautos neu zugelassen worden. Mit 8.206 ist die bisherige Höchstzahl in einem Monat um ein Drittel übertroffen worden. Die Erklärung dafür dürfte die Spritpreisexplosion nach Beginn des Irankrieges am 28. Februar sein.
Im Bericht vom 14. April waren sonstige Pkw-Zulassungen noch nicht enthalten. Sie werden hiermit nachgereicht: Neben den 8206 Elektroautos wurden 13.678 Hybridfahrzeuge sowie 11.134 reine Benzin- und Diesel-Autos zugelassen. Auch bei den Hybridfahrzeugen gab es damit einen absoluten bisherigen Spitzenwert.
Zum Vergleich: Im März vor vier Jahren hatte es sich nicht einmal um halb so viele Elektro- und nur gut ein Drittel so viele Hybridautos gehandelt. Die Zahl der Verbrenner war damals höher gewesen als heute. Seither läuft eine Verschiebung, die sich im März eben stark beschleunigt hat. Siehe Grafik.
Man könnte auch sagen, dass sich die Verhältnisse jetzt ganz offensichtlich drehen, dass die Energiewende auch im Verkehrsbereich mehr und mehr an Fahrt aufnimmt. Und? Die Regierung könnte sich durch diese Zahlen ermuntert fühlen, klimaschädliche Förderungen zu reduzieren.
Es fängt damit an, dass die Mineralölsteuer seit 15 Jahren unverändert ist. Auch das ist eine Art klimaschädliche Förderung: Seit 2011 beträgt die Steuer 39,7 Cent pro Liter Diesel und 48,2 Cent pro Liter Benzin. Real ist sie damit gesunken, müsste sie wertgesichert um die Hälfte höher sein und 60,5 bzw. 73,5 Cent pro Liter betragen. Die Differenz übertrifft damit auch die CO2-Bepreisung, die 2022 eingeführt worden ist und sich derzeit auf 16,8 Cent pro Liter Diesel und 12,1 Cent pro Liter Benzin beläuft.
Eine klimaschädliche Förderung ist auch die Benzinpreisbremse, die gerade gezogen worden ist und bei der man sich fragen könnte, ob sie überhaupt notwendig, geschweige denn sinnvoll ist: Ergebnisse von Konsumerhebungen der Statistik Austria lassen darauf schließen, dass Haushalte mit einem niedrigen Haushalt eher kein Auto haben; dass Kosten, die mit einem oder mehreren Autos zusammenhängen, eher bei Haushalten mit einem höheren Einkommen (sehr) hoch sind. Muss man sie entlasten? Nicht unbedingt.
Die Frage stellt sich, weil hohe Spritpreise für eine Masse kein großes Problem darstellen und viele ganz offensichtlich eben sogar die Konsequenz ziehen, auf ein Elektroauto umzusteigen. Was vielleicht sogar noch viel mehr tun würden, wenn die Spritpreise noch höher wären.
