ANALYSE. Oder: Was zu erwarten hat, wer Regierungspläne kritisiert und bei der „Krone“ einen schlechten Stand hat.
Die Geschichten kommen nicht irgendwoher: Am vergangenen Montag berichtete die „Krone“, dass die österreichischen Universitäten im internationalen Vergleich finanziell gut ausgestattet seien, in den Rankings jedoch schwächeln würden. Wenige Tage zuvor hatte das Blatt mitgeteilt, dass Rektoren mehr kassieren würden als der Kanzler: „Die Luxus-Gagen“ würden bis zu 195 Euro pro Student betragen. Ja, sie würden wohl höhere Wellen schlagen als die Kürzungspläne der Regierung.
Womit auch schon klargestellt wäre, worum es hier geht: Rache. Nach einem Gespräch mit Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) hatten Vertreter der Hochschulen weitreichende Einsparungen geortet und hinterher öffentlich Alarm geschlagen. Das hätten sie nicht tun sollen, so die Botschaft. Auch wenn die Mittel für die Universitäten voraussichtlich eingefroren werden, was auf eine reale Kürzung hinausläuft, die es in Zeiten einer hohen Inflation in sich hat.
Die „Krone“ tut jedoch so, als sei es unerhört, dass Rektorinnen und Rektoren, „deren Gehälter ja bekanntlich teilweise sogar das von Bundeskanzler Christian Stocker übersteigen“, ein Plus fordern und dies damit begründen würden, dass alles andere „gravierende Einschnitte“ für Studierende und in der Forschung zur Folge hätte.
Hier schwingt sehr viel mit: Akademikerinnen und Akademiker sollen als Privilegierte nicht maulen, sondern akzeptieren, was man ihnen aufzwingt. Abgesehen davon ist es Ablenkung von anderen „Sparmaßnahmen“, die Pensionisten etwa genauso abverlangt werden wie Familien.
Um die Sache geht es hier jedenfalls nicht: Auch bei einem üppigen Budget, mit dem so wesentliches wie Bildung und Forschung finanziert wird, sollten diejenigen, die darüber verfügen, von einer gewissen Planbarkeit ausgehen können. Sprich: Dass sie nicht von heute auf morgen gezwungen werden, groß Personal abzubauen, um weiterhin über die Runden kommen zu können.
Zweitens: Es ist zu billig, Rektoren umzuhängen, dass viel Geld in den Hochschulbereich fließt. Dazu beigetragen hat gerade auch Politik: In den vergangenen Jahren war es zum Beispiel Oberösterreich unter Führung des ehemaligen Landeshauptmannes Josef Pürhinger (ÖVP) wichtig, eine eigene medizinische Fakultät zu bekommen. Linz habe ein Anrecht darauf, behauptete Pühringer.
Da konnte sich der damalige Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) noch so distanziert äußern, konnte der Wissenschaftsrat, ein zentrales Beratungsgremium, entsprechende Pläne noch so kritisch sehen: Es musste sein. Landespolitik wollte es so. Kosten, die sich heute in Summe rächen, inklusive.
Es erinnert an die Brechstange, mit der der burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil eine eigene Herzchirurgie in Oberwart zu etablieren versucht – obwohl die Bundeszielsteuerungskommission einer solchen nicht zustimmt. Es muss laut Doskozil trotzdem sein.