Verschärfte Krise

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ANALYSE. Die Nationalbank hat schon frühzeitig einen bösen Verdacht geäußert, der sich jetzt erhärtet: Die wirtschaftliche Lage wird nicht besser, sondern eher wieder schlechter.

Ob Wirtschaftsforscher noch immer davon ausgehen, dass das österreichische BIP heuer um sieben Prozent einbrechen wird, wie es die Experten vom WIFO im Sommer getan haben, ist fraglich. Anfang August sind die Entwicklungen gekippt. War der Einbruch gegenüber dem Vorjahr bis dahin von Woche zu Woche kleiner geworden, so ist er seither wieder gewachsen. Siehe „Echtzeitindikatoren der Nationalbank“: Von 3. bis 9. August lag das Niveau nur noch um 3,3 Prozent unter dem des Vorjahres. Zuletzt handelte es sich wieder um fünf Prozent.

Das ist eine kleine Veränderung. Aber: Die fünf Prozent beziehen sich auf die letzte Augustwoche. Und in ihrer Analyse ist der Nationalbank bereits in diesem Zusammenhang ein böser Verdacht aufgekommen: „Möglicherweise wirken auch die im Vergleich zum Frühsommer gestiegenen Infektionszahlen konsumdämpfend.“

Heute könnte man das mit viel größerer Bestimmtheit sagen: Es ist nicht nur so, dass sich die Zahl der bestätigten Neuinfektionen in den vergangenen zwei, drei Wochen vervielfacht hat. Es ist auch so, dass das bereits ganz konkrete Konsequenzen nach sich gezogen hat.

Kleines Beispiel: Wie im Frühjahr dürfen Feiern wie Hochzeiten nur noch in einem überschaubaren Rahmen stattfinden. Waren schon viele Freunde und Angehörige geladen, so müssen einige nun wieder ausgeladen werden. Hatten Gastronomiebetriebe schon darauf gehofft, endlich wieder einen größeren Umsatz zu machen, so müssen sie das nun wieder vergessen. Und damit verlieren selbstverständlich nicht nur sie Umsätze, sondern auch ihre Zulieferer und viele andere mehr.

Größeres Beispiel: Es mag noch wie ein Glück im Unglück wirken, dass die Sommersaison für den Tourismus gerade zu Ende gegangen ist – und der Herbst nur eine Nebensaison ist. Wie Sacher-Chef Matthias Winkler im Ö1-Morgenjournal bekräftigte, sind die ersten Reisewarnungen für Wien aber schon der nächste Schlag für eine Branche, die sich noch mitten in der Krise befindet. An heimischen Seen und in den Bergen mag zuletzt sehr viel los gewesen sein. Die Masse der Gäste, nämlich die ausländischen, hat laut Nationalbank zuletzt in Summe aber noch immer um ein Fünftel weniger Geld liegen lassen als vor einem Jahr. Vor allem die Städte leiden darunter. Und das wird sich nun zuspitzen, zumal auch Deutschland, das wichtigste Herkunftsland der Touristen, eine Reisewarnung ausgegeben hat.

Allein das würde im Übrigen eine Alarmstufe „Rot“ notwendig machen: Der Winter mag noch weit sein. Von den 16 Millionen Ankünften im vergangenen Winter entfielen jedoch zwei Drittel auf ausländische Gäste (11,5 Millionen) und davon wiederum knapp die Hälfte auf deutsche (5,2 Millionen). Das Problem ist jedoch, dass Buchungen für den Schiurlaub jetzt erfolgen. Beziehungsweise aufgrund der verschärften Lage eben ausbleiben.

Doch zurück zum Konsum der Menschen, die in Österreich leben und den die Nationalbank in ihrer eingangs erwähnten Analyse eben auch anspricht: Ganz nebenbei ist hier ein Impuls gefährdet, den die Regierung gesetzt hat. Und zwar mit der rückwirkenden Senkung der Lohn- und Einkommensteuer. Sie war gut gemeint, droht nun aber wirkungslos zu bleiben, weil das Vertrauen in eine gute Zukunft gerade wieder zerstört wird.

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