Nicht jedes Wachstum ist exponentiell

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ZAHLEN ZUM TAG. In den vergangenen Wochen ist die Zahl der Neuinfektionen in Österreich eher wellenförmig gestiegen.

„Wir haben ein exponentielles Wachstum“, bekräftigte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Wochenende in der Boulevardzeitung „Österreich“. Wobei seine Anmerkung, dass es zwar noch leicht, aber schon da sei, die Sache nicht besser machte: Auch ein halbes Jahr nach Beginn der COVID-19-Pandemie ist entweder nicht klar, was ein solches Wachstum ist; oder es wird zur allgemeinen Verunsicherung einfach nur bewusst falsch eingesetzt.

Wie unterschiedlich Wachstum ausfallen kann, zeigt eine Entwicklung der bestätigten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen („7-Tage-Inzidenz“) in drei Ländern. In Ungarn entwickelt sich dieser Wert ziemlich linear: Von 1. bis 5. September stieg er um zwölf, in den folgenden Tagen bis 10. September um elf, bis 15. September um 14 und bis 20. September wieder um elf.

In Österreich war die Entwicklung eher wellenförmig. Im ersten Viertel des erwähnten Zeitraumes stieg der Wert nur um drei, dann um neun und um 16. Im letzten Viertel belief sich das Plus aber wieder „nur“ auf zehn. Bei einem exponentiellen Wachstum hätte es deutlich größer ausfallen müssen, sodass die Kurve nicht flacher, sondern noch steiler wird.

Viel eher in diese Richtung hat sich zuletzt die Tschechische Republik entwickelt: Hier betrugen die Zuwächse in den vier Vierteln zehn, 22, 28 und 38. Ergebnis: Am 1. September verzeichnete das Nachbarland 24 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und in den vorangegangenen sieben Tagen. Österreich lag damals mit 20,4 nicht weit dahinter. Am 20. September lag Österreich (wie Ungarn) bei rund 59 – und Tschechien bei mehr als 122.

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