Stockende Erholung

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BERICHT. Seit Mitte Mai bleibt die Wirtschaftsleistung relativ konstant unter Vorkrisenniveau. „Bloomberg“ weist Österreich eine mäßige Entwicklung aus.

Dass Konjunkturprognosen für Österreich zuletzt nach oben revidiert worden sind, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wirtschaftsleistung erst im kommenden Jahr wieder auf Vorkrisenniveau liegen wird. Die Nationalbank hat nun einen überraschenden Lagebericht dazu geliefert: Seit Mitte Mai stockt die Erholung. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Seit März 2020 gab es keine Woche, in der die Wirtschaftsleistung auch nur gleich groß war wie vor der Krise. Zunächst hatte es zu Beginn der Pandemie aufgrund der Beschränkungen, die damit einhergegangen waren, einen Einbruch von bis zu 26,5 Prozent gegeben, so die Nationalbank. Im Lockdown vor Weihnachten betrug das Minus bis zu 13,7 Prozent.

Im Frühjahr ist es nun zwar zu einer Erholung gekommen, sie ist Mitte Mai aber mit minus 0,8 Prozent am größten geblieben – und das wiederum ist erklärbar: Im Zusammenhang mit den Öffnungen kam es laut Nationalbank zu einem Nachholeffekt. Sprich: Sehr viele Menschen nützten die erste Gelegenheit, zurückgewonnene Freiheiten zu genießen und etwa Restaurants zu besuchen. Dieser Effekt hat in weiterer Folge wieder etwas nachgelassen. In der dritten Juni-Woche lag die Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent unter Vorkrisenniveau.

Wobei es weitere, zum Teil gegenläufige Entwicklungen gibt, die eine Rolle spielen: Der Tourismus erholt sich zwar weiter, ist aber noch deutlich von ursprünglichen Verhältnissen entfernt; vor allem ausländische Gäste fehlen nach wie vor. Die exportorientierte Industrie hätte sich dagegen zwar schon erholt, befindet sich aber in einer „Seitwärtsbewegung“; sie stammt unter anderem von Lieferengpässen.

Die Finanznachrichtenagentur „Bloomberg“ hat unterdessen ihren Coronakrisen- bzw. Resilienz-Index für rund 50 Staaten weltweit ausgeweitet. Berücksichtigt werden neben dem Infektionsgeschehen und der wirtschaftlichen Lage auch Impffortschritt sowie Indikatoren wie Reisefreiheiten und Flugaufkommen. Sie sollen zum Ausdruck bringen, wie die Überwindung der Krise läuft.

Am besten schneiden nicht mehr so sehr asiatische Staaten ab, an der Spitze stehen vielmehr die USA, gefolgt von Neuseeland und der Schweiz. Österreich folgt nach anderen europäischen Ländern (Frankreich, Spanien, Großbritannien. Norwegen, Dänemark, Belgien, Finnland, Griechenland, Rumänien, Schweden, Niederlande) auf Platz 25 bzw. im Mittelfeld. Knapp dahinter sieht „Bloomberg“ Italien und Deutschland.

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