Hunderttausende Wähler im „Warteraum“

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ANALYSE. Vor allem für die ÖVP könnte das Potenzial riesig sein. Voraussetzung dafür wäre jedoch eine Art Kurz II. Und selbst ein solcher könnte wohl nur begrenzt erfolgversprechend sein.

651.000 Wählerinnen und Wähler, die bei der Nationalratswahl 2019 ihre Stimme der „Liste Sebastian Kurz – die neue Volkspartei“ gegeben haben, sind bei der Europawahl 2024 zu Hause geblieben. Das ist der Forsesight/ISA-Wählerstromanalyse für den ORF zu entnehmen. Es mag Hoffnungen in der Partei wecken: Bei der SPÖ sind zum Beispiel nur 297.000 der Wähler in den sogenannten „Warteraum“ gewechselt. Also viel weniger, die bei der Nationalratswahl im September mobilisierbar sein könnten.

Wie sehr das der ÖVP gelingen kann, ist jedoch fraglich. Erstens: Unter Kurz hat sie wegen Kurz sehr viele Wählerinnen und Wähler gewonnen. Er war ein entscheidendes Motiv, sie zu unterstützen. Das zeigt ein Blick in Zusammenfassungen von Wahltagsbefragungen. Problem: Kurz hat viele von ihnen enttäuscht. Selbst eine Art Kurz II könnte also wohl nur einen Teil wieder mit der ÖVP zu versöhnen.

Zweitens: Auffallend ist auch, dass 234.000 Menschen, die bei der Nationalratswahl 2019 die FPÖ gewählt haben, zu Hause geblieben sind. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass viele von ihnen mit der EU nichts am Hut haben und daher nicht teilnehmen an Europawahlen. Es könnte insofern auch ein Hinweis auf ein Potenzial sein, das die Freiheitlichen im Hinblick auf die Nationalratswahl Ende September noch haben: 234.000 Stimmen entsprechen bei einer solchen immerhin rund fünf Prozentpunkten.

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