Kurz betreut

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BERICHT. In sozialen Medien ist der Ex-Kanzler mit hunderttausenden Followern noch immer sehr politisch. Allerdings nur in eigener Sache. Zu Amtszeiten sind seine Konten auch auf Steuerzahlerkosten gepflegt worden.

Sebastian Kurz ist nicht mehr Kanzler, politisch aber noch immer engagiert. Und zwar durchaus wirkungsvoll: Auf „Facebook“ hat er eine Million Follower, auf „Twitter“ immerhin eine halbe. Dort ist er regelmäßig aktiv: Mit Verweis auf einen Zeitungsbericht über Aussagen der Meinungsforscherin Sabine B. teilte er beispielsweise am 1. März auf „Facebook“ mit, dass sich die Vorwürfe gegen ihn als „falsch“ erwiesen hätten – „so wie ich es immer gesagt habe“.

Zwei Tage davor hatte er einen Videokommentar von ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner verlinkt, in dem sie behauptet, dass sich „all die konstruierten Vorwürfe gegen Sebastian Kurz in Luft auflösen“ würden. Sprich: Auch nach seinem Ausscheiden aus der Politik ist er Teil der Familie, die neue ÖVP engagiert sich zu seiner Verteidigung. Das zeugt einerseits von Loyalität, ist andererseits aber insofern interessant, als sie sich dadurch weiterhin das Leben schwermacht; sie tut nichts, um die türkisen Korruptionsaffären hinter sich zu lassen, die entgegen dieser Darstellungen alles anders als erledigt sind.

Ähnlich wie auf „Facebook“ betätigte sich Sebastian Kurz selbst in dieser Angelegenheit auch auf „Twitter“, allerdings schon etwas früher, nämlich am 25. Februar. Auch hier schenkte er Sachslehner die Aufmerksamkeit seiner noch immer sehr großen Anhängerschaft. Und umgekehrt.

Dem Ukraine-Krieg widmet sich der ehemalige Bundeskanzler der Republik Österreich nur am Rande. Und auch das nur indirekt: Auf „Twitter“ verwies er an jenem 25. Februar auf den Papst bzw. einen Aufruf, zu beten. Seither (bis 2. März) ist nichts mehr gefolgt.

Die privaten Accounts sind auch Gegenstand paralemntarischer Anfragen. Karl Nehammer (ÖVP) hat gerade mitgeteilt, dass „keine Aufzeichnungen“ darüber vorliegen würden, wie viele Mitarbeiter des Kanzleramtes sie einst betreut hätten. Einer älteren Anfragebeantwortung ist zu entnehmen, dass sie wirklich von Mitarbeitern betreut worden sind.

Das ist bemerkenswert: Die Konten sind privat. Sie haben, so Nehammer, bereits vor dem Amtsantritt von Kurz bestanden. Im Amt wurden sie gewissermaßen halbamtlich und legten an Bedeutung zu. Auch unter dienstlicher Mitwirkung von steuergeldfinanzierten Mitarbeitern. Hinterher wurden sie wieder voll privat. So berichtet Nehammer, dass das Kanzleramt keinen Zugriff auf den Twitter-Account seines Vorgängers mehr habe.

Auf Twitter hat Sebastian Kurz 482.949 Follower (Stand 2. März). Ehe er Kanzler wurde, hatte es sich im Herbst 2017 um halb so viele gehandelt, wie einem Bericht der Tageszeitung „Der Standard“ von damals zu entnehmen ist. Allerdings: Von den mehr als 236.000 seien laut einer Analyse nur rund 118.000 echt gewesen. Bei fast jedem zweiten habe es sich um einen „Fake-Account“ gehandelt, so „Der Standard“.

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1 Comment
  1. michael m-e 3 Monaten ago

    Propaganda für Kurzsichtige
    .
    Was S. Kurz und diejenigen, die sich bemüssigt fühlen ihm auch weiterhin in aller Öffentlichkeit die Stange zu halten ausblenden, ist die Tatsache, dass der ex-Kanzler schon aufgrund der bislang bekannt gewordenen Chat-Verläufe in all seinen politischen Funktionen untragbar wurde.
    .
    Im Grunde genommen ist es ziemlich egal, was aus seiner Ecke jetzt an Beteuerungen noch nachkommt und dass seine Konten eine Menge an Follower aufweisen. Die ÖVP wird aus dem sich in Umfragewerten deutlich niederschlagenden Schlamassel nicht so schnell rauskommen. Dass jede Art von Message Control in Zukunft einen schweren stand haben wird, ist eine Ironie der Kurzgeschichte. Was jetzt noch an „Kurz-Kanälen“ übrigbleibt sind stumpfe Propagandawerkzeuge.

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