Was Pilz möglicherweise unterschätzt

ANALYSE. … andererseits aber auch den Grünen nur ein sehr schwacher Trost sein kann: Seine Erfolgsaussichten werden sich in den nächsten Wochen aus zehn Gründen eher verschlechtern. 

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ANALYSE. … andererseits aber auch den Grünen nur ein sehr schwacher Trost sein kann: Seine Erfolgsaussichten werden sich in den nächsten Wochen aus zehn Gründen eher verschlechtern.

Ein Bürgermeister aus dem Bregenzerwald (womit auch schon seine Parteizugehörigkeit geklärt wäre) meint, Sebastian Kurz habe seinen Zenit bereits überschritten: Für einen Wahlsieg in drei Monaten könne es zwar noch allemal reichen. Aber: So viel Zuspruch wie in den vergangenen Wochen werde der 30-Jährige nie mehr erhalten. Ab sofort werde er nämlich liefern müssen und damit immer auch enttäuschen. Sprich: Der Teufel steckt im Detail. Eine Steuersenkung kommt beispielsweise bei allen gut an. Wenn’s aber um die Finanzierung geht, dann wird es für den einen oder anderen schmerzlich.

Was das mit Peter Pilz zu tun hat? Bei ihm ist das sehr wahrscheinlich noch etwas ausgeprägter: So viele Sympathiebekundungen wie in den vergangenen Tagen und Wochen wird er bis zum Urnengang am 15. Oktober nicht mehr bekommen. Beziehungsweise nicht mehr bekommen können.

Erstens: Zunächst war da in größeren Kreisen ein gewisses Unverständnis über die Grünen, dass sie Pilz nicht den vierten Listenplatz gegeben haben. Das war durchaus in seinem Sinne. Erst das hat ihn schließlich dazu ermuntert, seine Listenpläne zu forcieren. Irgendwann aber ist das erledigt. Da muss Pilz weitere Gründe liefern, ihn zu unterstützen. Und das wird aus nachfolgenden Gründen immer schwieriger.

Zweitens: Der Eurofighter-U-Ausschuss ist abgeschlossen. Das war eine ganz wichtige Bühne für Peter Pilz. Sie ist jetzt jedoch weggebrochen.

Drittens: Es ist Hochsommer. Viele Österreicher sind auf Urlaub und andere, die zu Hause sind, leiden nächste Woche eher unter der (angekündigten) Hitzewelle als dass sie Peter Pilz die Aufmerksamkeit leihen, die er etwa in Folge seiner Pressekonferenz am Montag nötig hätte.

Viertens: Ab August geht die Wahlentscheidung los. Wobei es darum gehen wird: Wer soll Kanzler werden? Christian Kern, Sebastian Kurz oder Heinz-Christian Strache? Fast jeder hat einen Favoriten oder einen, den er ganz und gar nicht haben möchte; er wird daher unter Umständen schon allein aus diesem Grund einen der beiden anderen wählen.

Fünftens: Sebastian Kurz ist noch der Superstar der österreichischen Politik. Das wird sich früher oder später zwar ändern, wie auch der eingangs erwähnte Gemeindevertreter meint. Noch aber ist er es. Und es kann nie zwei Superstars nebeneinander geben. Das würde selbst die Kronenzeitung überfordern, zumal sie den einen (Kurz) ja schon mit allen Mitteln pusht.

Sechstens: Es gibt immer nur ein großes Thema. Zurzeit ist es Flüchtlinge-Islam-Integration. Und da kann sich ein Peter Pilz zwar zu Wort melden, er wird letzten Endes aber nur schwer punkten können. Und zwar schon allein, weil es ihm kaum gelingen wird, einen besseren Strache oder Kurz abzugeben. Das schafft nicht einmal Kern trotz aller Möglichkeiten, die ihm als Kanzler und SPÖ-Vorsitzender zur Verfügung stehen. Und das liegt nicht nur an seinem Unvermögen: Das Thema ist und bleibt vor allem ein schwarzer und ein bisschen ein blauer Renner, weil die beiden da die wenigsten Hemmungen haben.

Siebtens: Das Pilz’sche Asset, die Korruptionsbekämpfung, wird aller Vorraussicht nach kein Thema sein (es sei denn, es taucht irgendetwas in die Richtung auf).

Achtens: Peter Pilz braucht trotz allem ein umfassendes Programm. Zum Beispiel also auch Lösungen für die Pflege, der Kinderbetreuung, die Energieversorgung etc. Sofern er nicht schon seit Monaten an seiner Liste arbeitet, wird er ein solches auf die Schnelle nicht zusammenbringen.

Neuntens: Im Spätsommer finden nahezu täglich TV-Duelle statt. Mit Vor- und Nachberichterstattung. Pilz wird an keinem teilnehmen dürfen. Er wird nicht im Bild sein.

Zehntens: Pilz will mit Quereinsteigern durchstarten. Was ein Risiko ist, handelt es sich da doch um Leute, die medial, zumindest aber politisch unerfahren sind. Womit die eine oder andere Panne oder auch nur Peinlichkeit programmiert ist.

Zusammengefasst: Peter Pilz muss davon ausgehen, in der entscheidenden Wahlkampfphase als Person und mit seinen Themen nicht einmal eine Nebenrolle zu spielen. Und damit ist selbst die Vier-Prozent-Hürde für einen Einzug ins Hohe Haus kaum zu schaffen.

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