Warum Hofers Dolchstoßlegende übertrieben ist

ZAHLEN ZUM TAG I. ÖVP-Anhänger verhielten sich trotz Mitterlehners Unterstützung für Van der Bellen nicht anders als bei der ersten Stichwahl. 

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ZAHLEN ZUM TAG I. ÖVP-Anhänger verhielten sich trotz Mitterlehners Unterstützung für Van der Bellen nicht viel anders als bei der ersten Stichwahl.

Der freiheitliche Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer leidet. Daher braucht er einen Schuldigen dafür, dass er den Urnengang vom vergangenen Sonntag gegen Alexander Van der Bellen so klar verloren hat. Hier ist er: ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner. Für Hofer ist es ganz klar, dass dessen Unterstützung für Van der Bellen den Ausschlag gegeben hat. Allein: Das lässt sich nicht belegen. 

Auffallend ist, dass sich ÖVP-Anhänger im ersten und im zweiten Wahlgang identisch verhalten haben, wie SORA-Analysen zeigen: Am 22. Mai votierten 40 Prozent all jener, die bei der Nationalratswahl 2013 schwarz gewählt haben, für Hofer; rechnet man die weiteren 15 Prozent weg, die an dem Urnengang im heurigen Frühjahr nicht teilgenommen haben, waren es 45,5 Prozent. Sprich: 54,5 Prozent der ÖVP-Wähler des Jahres 2013, die eine Stimme abgegeben haben, haben auf der anderen Seite Van der Bellen unterstützt.

Bei der Stichwahl vom vergangenen Sonntag wurden aktuelle ÖVP-Sympathisanten nach ihrem Abstimmungsverhalten gefragt. Ergebnis: 45 Prozent waren für Hofer, 55 Prozent für Van der Bellen. Der Unterschied zum 22. Mai ist also vernachlässigbar.

Interessant ist im Übrigen, dass die Präferenzen der ÖVP-Spitze das Parteilager ganz offensichtlich nicht weiter beeindruckten. Was dafür spricht: Beim ersten Wahlgang am 22. April stimmte nur ein Drittel der ÖVP-Wähler des Jahre 2013 für Parteikandidat Andreas Khol. Ein Viertel zog es gleich zu Hofer. Daher sagt es auch relativ wenig aus, dass nun die Mehrheit der Khol-Wähler zu Van der Bellen überwechselte. Das liegt irgendwie in der Natur der Sache. 

Ähnliches gilt wohl auch für die ÖVP-Wähler des Jahres 2013: Viele sind längst ins freiheitliche Lager gewechselt. Folglich ist es naheliegend, dass Van der Bellen bei den verbliebenen Anhängern der Partei besser abgeschnitten hat als Hofer. 

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