Wahl wird in zwei Lagern entschieden

ANALYSE. Mitte-Rechts ringen ÖVP und FPÖ um gut 55 Prozent, Mitte-Links tun das vor allem SPÖ und Grüne. 

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ANALYSE. Mitte-Rechts ringen ÖVP und FPÖ um gut 55 Prozent, Mitte-Links tun das vor allem SPÖ und Grüne.

Der Wahlkampf ist geschlagen, die Parteien haben letzten Endes mehr oder weniger überraschende Positionen bezogen: ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz hat seine Kampagne auf einen Wettstreit mit FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache um Mitte-Rechts-Wähler zugespitzt. Folglich fokussierte er sich zuletzt ganz auf Migrationsfragen (z.B.: „Zuwanderung ins Sozialsystem stoppen“). SPÖ-Chef Christian Kern wiederum ist nach der Causa Silberstein noch einmal auf die Beine gekommen, zittrig zwar, aber doch. Und angesichts der Umstände, dass er gegen Kurz und Strache nicht auch noch um dieses eine Wählersegment ringen kann (weil dabei nichts zu gewinnen ist), hat er eine Rückbesinnung auf ein Mitte-Links-Themen vollzogen. Botschaft: Kurz und Strache würden den Sozialstaat zugrunde sparen, ich stehe für seinen Fortbestand. Das hören viele Österreicher gerne. Die Pensionen sind sicher und so.

Damit sind summa summarum relativ klare Verhältnisse geschaffen: ÖVP und FPÖ bewegen sich bei einem Wählerpotenzial von etwa 55 Prozent. Das ist das Potenzial, das man aufgrund der letzten Wahl- und Umfrageergebnisse abschätzen kann. Und das teilen sich die beiden Parteien. Was die Sache nun auch so spannend macht: Kurz hat in den vergangenen Monaten von einem gewissen Formtief Straches profitiert. Dieser hat sich jedoch erholt. Wie die Aufteilung am Ende ausschaut, wird man am Wahlabend sehen.

Auf der anderen Seite bleiben 45 Prozent, die sich vor allem SPÖ, Grüne und Peter Pilz teilen (die NEOS laufen Mitte-Links und Mitte-Rechts zu jeweils ungefähr gleich großen Teilen mit). Kerns Vorteil dabei sind logische Umstände und eine bemerkenswerte Schwäche seiner Mittbewerber:

  • Wenn es eine Kanzlervariante gibt, die nicht Kurz oder Strache lautet, dann ist es Kern. Und auch wenn die Chancen gering sein mögen, dann sind sie in seinem Fall noch immer ungleich größer als bei Ulrike Lunacek (Grüne) und Peter Pilz.
  • Die Grünen konzentrieren sich in ihrer Kampagne auf ihre klassischen Themen. Klimaschutz beispielsweise. Damit können sie ihre Stammwähler ansprechen. Insgesamt aber ist das ganz sicher nicht die entscheidende Frage, um die es jetzt geht. Diese ist vielmehr personeller Natur und lautet ungefähr so: Will man Kurz-Strache oder will man Kurz-Strache nicht. 
  • Und Peter Pilz kämpft mehr denn je damit, dass ihm der berüchtigte „Fallbeil“-Effekt droht: Weil er laut keiner Umfrage sicher im Nationalrat ist, ist es schwer für ihn, Leute zu gewinnen – gerade bei einem Urnengang, bei dem es um so viel geht, möchte niemand seine Stimme „verschenken“.

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