Van der Bellen und Kern: Zu viel für Strache

ANALYSE. Ein Bundespräsident, der integrativ wirkt, hat dem FPÖ-Chef gerade noch gefehlt. Diesbezüglich macht ihm ohnehin schon der Kanzler zu schaffen. Doch dazu trägt er ja auch selbst bei. Und wie. 

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ANALYSE. Ein Bundespräsident, der integrativ wirkt, hat dem FPÖ-Chef gerade noch gefehlt. Diesbezüglich macht ihm ohnehin schon der Kanzler zu schaffen. Doch dazu trägt er ja auch selbst bei. Und wie.

Dass die Freiheitlichen vorgezogene Nationalratswahlen haushoch gewinnen würden, ist möglich, aber nicht sicher. Im Gegenteil, vom hohen Niveau ausgehend sinkt die Wahrscheinlichkeit von Woche zu Woche. Wobei sich Heinz-Christian Strache und Norbert Hofer, die sich die Parteiführung neuerdings (nach außen hin) teilen, das selbst zuzuschreiben haben: Sofern sie diese erkennen, wissen sie nicht, wie sie auf die Veränderung des politischen Umfelds reagieren sollen. Außerdem stellen sie sich zunehmend in ein politisches Eck’, das ihnen noch gefährlich werden könnte.

Doch eines nach dem anderen: Strache hat bisher davon gelebt, dass er ausgegrenzt wird. Das hat es ihm ermöglicht, sich gegen das „Establishment“ oder überhaupt „das System“ zu stellen. Unter Christian Kern hat sich das jedoch geändert; und das macht Strache nach wie vor schmähstad: Er weiß nicht, wie er damit umgehen soll, dass ihm der Kanzler attestiert, Österreich ebenfalls weiterbringen zu wollen. In eine andere Richtung zwar, aber immerhin. Das zwingt Strache auf eine neue Ebene; nämlich die einer inhaltlichen Auseinandersetzung.

In einem Land, in dem die Bevölkerung nach Harmonie strebt, unterstreichen sie, dass sie nichts davon wissen wollen. 

Und jetzt ist da auch noch Bundespräsident Alexander Van der Bellen: Wie schlecht die Freiheitlichen Hofers Niederlage gegen ihn verarbeitet haben, sieht man daran, wie sehr sie sich mit Applaus bei dessen Angelobung zurückhielten. Dabei hat er betont, dass er überparteilich sein wolle; und dass Österreich „wir alle“ sei. Das ist eine Einladung. Und zwar auch an die Kritiker. Und wenn sich die Freiheitlichen da von vornherein zieren oder gar verweigern, dann bekommen sie ein Problem: In einem Land, in dem sich die Bevölkerung mehrheitlich nach Harmonie und Zusammenarbeit sehnt, unterstreichen sie, dass sie nichts davon wissen wollen.

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In diesem Sinne setzen Strache und Hofer sogar demonstrativ auf die Zusammenarbeit mit Politikern in aller Welt, sie so ähnlich ticken wie sie. Und das verstärkt die Sache nicht nur, es kann vor allem auch sehr schlecht für sie ausgehen. Immerhin ist der neue US-Präsident Donald Trump auch für sie eine „Unguided Missile“. Wobei ihnen schon die ersten Amtstage zeigen müssten, worauf sie sich eingelassen haben: Einen Mann nämlich, der dabei ist, eine Radikalisierung in sämtlichen Politikbereichen herbeizuführen, die zu Turbulenzen in und außerhalb der Vereinigten Staaten führen muss.

Anders ausgedrückt: Gut möglich, dass Trump schon bald mit Ablehnungsraten konfrontiert ist, wie es ein „Öxit“ nach dem „Brexit“ im vergangenen Sommer war; und auch dieser hat besonders Hofer als Präsidentschaftskandidat ins Schleudern gebracht – von einem EU-Austritt Österreichs will er seither jedenfalls nichts mehr wissen.

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