SPÖ-Drama

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ANALYSE. Phänomen: Wenn ÖVP oder FPÖ im freien Fall sind oder abstürzen, profitiert die Sozialdemokratie eher nicht davon.

Für die SPÖ ist es ein Drama: FPÖ oder ÖVP können noch so große Verluste erleiden, sie profitiert kaum bis gar nicht davon. Anders ausgedrückt: Eine Wendestimmung in ihrem Sinne bleibt aus. Das zeigt ein Blick auf drei Wahlen und eine aktuelle Umfrage.

Für den „APA-ATV-Österreich-Trend“ hat „Peter Hajek Public Opinion Strategies“ vergangene Woche 800 Wahlberechtigte telefonisch und online befragt. Wesentliche Qualitätskriterien des Branchenverbandes VdMI sind damit erfüllt. Ergebnis: Aktuell liegt die ÖVP mit 23 Prozent um ganze 14,5 Prozentpunkte unter dem Nationalratswahlergebnis 2019. Beziehungsweise gleichauf mit der SPÖ. Für sie aber bedeutet das nur ein Zugewinn von knapp zwei Prozentpunkten.

Das ist bezeichnend: Größte Krisen wichtiger Mitbewerber bringen der Sozialdemokratie wenig bis null. In Relation wesentlich mehr davon haben in der Momentaufnahme, die dieser Österreich-Trend darstellt, die FPÖ mit einem Plus von rund vier Punkten auf 20 Prozent, die Grünen mit einem Plus von 2 Punkten auf 16 Prozent und die Neos mit einem Plus von vier Punkten auf 12 Prozent. Die Neos könnten ihren Stimmenanteil damit um die Hälfte ausweiten (von rund acht auf zwölf Prozent).

Für die SPÖ ist das alarmierend: Bisher hatte man vielleicht behaupten können, dass ÖVP und FPÖ eine Art kommunizierende Gefäße bilden. Verliert die eine, gewinnt die andere. Und umgekehrt. Hier aber zeigt sich, dass die Wählerströme vielschichtiger sind: Vom ÖVP-Tief scheinen nicht nur Freiheitliche viel mehr zu haben als die Sozialdemokratie, sondern auch Grüne und Neos.

Ernüchternd für die SPÖ waren auch Wahlergebnisse der jüngeren Vergangenheit (siehe Grafik): Bei der oberösterreichischen Landtagswahl Ende September verloren die Freiheitlichen 10,6 Prozentpunkte. Die SPÖ legte nur um 0,2 zu und blieb damit auf einem historisch niedrigen Niveau von weniger als 20 Prozent. Größte Gewinnerin war die Impfgegnerliste MFG, die von null auf 6,23 Prozent kam.

Bei der Wiener Gemeinderatswahl vor einem Jahr brach die FPÖ um 23,7 Prozentpunkte ein. Die SPÖ blieb zwar klar stärkste Partei, legte mit zwei Prozentpunkten gemessen daran aber bescheiden zu. Die ÖVP konnte ihren Stimmenanteil auf über 20 Prozent mehr als verdoppeln.

Bei der Nationalratswahl 2019 verlor nicht nur die FPÖ stark (minus 9,8 Prozentpunkte), sondern auch die SPÖ (minus 5,7). Massiv zugelegt haben damals die ÖVP (plus 6) und die Grünen (plus 10,1 Prozentpunkte).

Zum Thema: „Rot halbtot“ – Text nach der Landtagswahl in OÖ und der Gemeinderatswahl in Graz.

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2 Kommentare
  1. Alex 1 Monat ago

    Kurz hat mit seiner sehr rechtspopulistischen Politik eher FPÖ Wähler angesprochen, die gehen halt wieder zurück. Die finden sich in sozialdemokratischen Parteien nicht wider. NEOS ist auch nicht unbedingt eine Sozialpartei, die Grünen haben nur so getan. Daher ist der Artikel dieses Mal leider nicht so besonders.

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  2. Anonymous 1 Monat ago

    Es wären auch die Gründe für oben genanntes SPÖ-Problem interessant gewesen. Diesen „Nichterfolg“ hat sich -meiner Meinung nach – PRWagner nicht verdient.

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