Roland Düringer schadet nicht einmal der FPÖ

ANALYSE. Parteigründer will eine Absage „ans System“ anbieten. Viel mehr nicht. Vor allem aber will er sich nicht weiter engagieren. 

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ANALYSE. Parteigründer will eine Absage „ans System“ anbieten. Viel mehr nicht. Vor allem aber will er sich nicht weiter engagieren.

Der freiheitliche Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer hat auf Twitter einen Witz gemacht: „Düringer-Kandidatur könnte Neos in Bedrängnis bringen“, schrieb er, nachdem der Kabarettist bekanntgegeben hatte, die Partei „G!LT“ gegründet zu haben und mit dieser bei der nächsten Nationalratswahl antreten zu wollen. Wenn Roland Düringer irgendjemandem schadet, dann am ehesten jedoch der FPÖ: Das Wenige, was er bisher wissen ließ, könnte auch von ihr stammen.

Schon in der Vergangenheit hat sich der 52-Jährige in der Außenwahrnehmung vom „Benzinbruder“ zum „Aussteiger“ gewandelt, der das Gefühl hat, dass irgendetwas auf der Welt ganz grundsätzlich nicht mehr stimmt und das denn auch entsprechend allgemein zum Ausdruck bringt. Aktuell meint er etwa, seine Partei richte sich „gegen das System“. Wählern solle sie die Möglichkeit bieten, einen „gültigen Protest“ zu artikulieren.

Das ist ein tolles Angebot für alle, die die Nase voll von der Politik haben, es ihr aber einmal so richtig zeigen wollen – und dies bisher notgedrungenerweise nur über die FPÖ oder gar nicht tun konnten, weil ihnen Heinz-Christian Strache vielleicht zu rechts war. Was sie mit Düringer und Strache vereint, ist, dass sie davor zurückschrecken, ins Detail zu gehen und zu überlegen, was da und dort realistischerweise verändert werden könnte; das nämlich wäre Politik (ja, das mühsame „Bohren harter Bretter“).

„Warum agiert die Politik so? Weil sie gesellschaftliche Rahmenbedingungen vorfindet, in denen sie so handeln kann.“ (Roland Düringer 2014)

Anstrengen mag sich Roland Düringer wirklich nicht. Daran lässt er keinen Zweifel: Schon vor zwei Jahren ließ er in einem „Kurier“-Interview wissen, dass er nicht Politiker werden wolle: „Dafür müsste ich meine persönliche Freiheit aufgeben.“ In diesem Interview bezeichnete er Politiker übrigens als „Wackeldackel“, gestand ihnen aber immerhin auch zu, Gefangene des Systems zu sein: „Die Politik ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Wir sind schnell bereit, uns über die gierigen Politiker aufzuregen. Aber wie agieren wir selbst, wenn wir im All-Inclusive-Urlaub sind? Verhalten wir uns da nicht gierig? Warum agiert die Politik so? Weil sie gesellschaftliche Rahmenbedingungen vorfindet, in denen sie so handeln kann.“

Groß ändern will er das ganz offensichtlich nicht einmal selbst. Die Sache mit der Partei ist nämlich die: „Ich bin der Taxler, … ich bring die Fuhr wohin, mehr kann ich nicht tun“, sagt er und zieht sich so schon wieder ein Stück weit zurück.

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