Rendi-Wagner rennt die Zeit davon

ANALYSE. Die designierte SPÖ-Vorsitzende lässt Ludwig und Kaiser die Parteinachrichten bestimmen. Den Schaden, den sie dabei anrichten, zu korrigieren, wird immer schwieriger.

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ANALYSE. Die designierte SPÖ-Vorsitzende lässt Ludwig und Kaiser die Parteinachrichten bestimmen. Den Schaden, den sie dabei anrichten, zu korrigieren, wird immer schwieriger.

Ja, voraussichtlich vier Jahre vor der Nationalratswahl, bei der sie als Kanzlerkandidatin antreten möchte, ist es für Pemela Rendi-Wagner extrem schwierig, die SPÖ zu übernehmen. In schnelllebigen Zeiten wie diesen sind größere und kleinere Hoffnungsträger der Partei schon eher verglüht; siehe Christian Kern. Vor allem aber: Wie soll sie es anlegen, damit sie am Ende nicht nur als „destruktive Nein-Sagerin“ dargestellt werden kann, zumal ihr ÖVP und FPÖ wohl kaum eine Gelegenheit zur konstruktiven Zusammenarbeit geben werden? Welche Inhalte soll sie pro-aktiv angehen, um dieses Dilemma zu umgehen? Es ist rätselhaft, auch von ihr selbst ist noch nicht einmal eine Andeutung gekommen.

Sie selbst hält sich extrem zurück. Das bewahrt sie zwar davor, rasch hoch zu steigen und dann viel zu früh und viel zu tief zu fallen. Andererseits aber verselbstständigen sich in der Partei ein paar Dinge so sehr, dass sie Gefahr läuft, einen unwiederbringlichen Kontrollverlust zu erleiden, noch ehe sie Ende November offiziell zur Parteichefin gekürt ist.

Beispiel 1: Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hat nicht nur deutlich gemacht, dass er begrenzt viel hält von ihr als Vorsitzender. Er hat gleich auch dafür gesorgt, dass die geplante Organisationsreform so nicht kommt. Soll heißen: Die Modernisierung ist abgesagt.

Ist für ranghohe Genossen die Partei ohnehin nur noch ein Familienbetrieb?

Beispiel 2: Kärntens LH Peter Kaiser sorgt dafür, dass nach außen hin der Eindruck entsteht, er wolle sich für die Nicht-Berücksichtigung seines Sohnes für einen wählbaren EU-Listenplatz rächen. Womit man zur Überzeugung gelangen kann, dass für ranghohe Genossen die Partei ohnehin nur noch ein Familienbetrieb ist.

Aus Sicht von Rendi-Wagner sind Ludwig und Kaiser in aller Brutalität gesagt das, was für Kern zu dessen Amtsantritt regierungsinterne Kritiker für die Regierung waren: „Selbstmordattentäter, die sich in einer Telefonzelle in die Luft sprengen“ (Zitat: Kern). Letzten Endes tragen sie nur zur weiteren Zerstörung der „Marke“ SPÖ bei.

Theoretisch wäre das eine Vorlage für Rendi-Wagner, einen Kurz zu machen: Ähnlich wie dieser im Falle der ÖVP die bisherige SPÖ also allein schon dadurch abzuwickeln, dass sie sie zur reinen Persönlichkeitswahlbewegung erklärt. Praktisch hat sie jedoch weder die Kraft noch (sehr wahrscheinlich) die Absicht, so etwas zu machen.

Praktisch läuft sie damit aber auch Gefahr, mit der Partei unterzugehen. Zumal sie gerade zulässt, dass „SPÖ“ eher nur mit Ludwig und Kaiser assoziiert wird; und zumal es im Laufe der Zeit immer schwieriger wird, diesen Negativ-Spin in medialer Berichterstattung und allgemeiner Wahrnehmung zu stoppen, geschweige denn umzukehren.

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